Dülmen/Buldern - Maurice Nao hat auf der Mülltonne Platz genommen. Zwei Trommelstöcke hält er in der Hand und wartet auf seinen Einsatz. Als der kommt, legt der 15-Jährige los: Blitzschnell lässt er seine Stöcke herumwirbeln, schlägt auf die Tonne, auf den Rand, auf die Seiten. „120 Liter“ heißt das Stück, weil Maurice und seine Mitspieler nicht auf Trommeln, sondern 120-Liter-Mülltonnen spielen.
„So etwas habe ich bislang nur im Fernsehen gesehen“, sagt Moderator Christoph Wübbelt begeistert nach dem Auftritt der Drummer Holix des Tambourcorps „Einigkeit“ Berrendorf-Wüllenrath. Auch die Zuschauer jubeln - größtenteils selbst Musiker, in blauen und grünen Uniformen, mit weißen Hemden und Krawatten, einige mit Uniformmützen, andere mit Flötenhüllen am Gürtel.
Rund 1500 Spielleute aus 34 Vereinen - und tausende Zuschauer - sind am Wochenende in den Dülmener Ortsteil Buldern gekommen. Dort finden die Landesmeisterschaften der Spielleute in NRW statt. Ausrichter ist der Spielmannzug Buldern. Es sei erst das zweite Mal, dass Volksmusikerbund NRW, Landesmusikverband NRW und der NRW-Verband der Feuerwehren gemeinsam zu einer Meisterschaft einlüden, berichtet Friedrich Kulke vom Feuerwehrverband. „Mit dem Spielmannszug Buldern haben wir einen leistungsstarken Partner“, lobt er die Bulderaner Organisatoren.
Auch die sind mit dem Wochenende zufrieden: „Wir haben natürlich großes Glück mit dem Wetter gehabt“, sagt Vorstandsmitglied Andreas Terlau. So wird der riesige Schirm zwischen Bühne und Getränkeständen, im Notfall als Regenschutz gedacht, zum übergroßen Sonnensegel.
Unter dem macht sich gerade Maurice Nao fertig. Gleich sind die Drummer Holix auf der Showbühne dran. Richtig angespannt ist er nicht mehr, schließlich hat er zwei Wertungsspiele schon hinter sich. Während die meisten anderen Musiker sich nur einmal an dem Wochenende dem Urteil der Juroren stellen müssen, darf Maurice Nao als einziger gleich dreimal auf die Bühne in der Mehrzweckhalle: Am Samstagmorgen mit den Drummer Holix, am Nachmittag mit dem gesamten Tambourcorps.
Und am Sonntagmittag hilft er beim Spielleuteorchester „Gut Klang“ Erftstadt aus. Dazu der Auftritt im Rahmenprogramm, und natürlich der Umzug durchs Dorf am Abend - ein volles Programm für den jungen Trommler. „Ich war schon die ganze Woche über nervös“, berichtet Maurice. Geübt habe er nicht mehr, um den Kopf frei zu bekommen. „Dafür war ich in den Ferien bis zu drei Stunden am Tag im Probenraum.“ Vor allem vor dem ersten Auftritt sei er aufgeregt gewesen. „Aber alles hat gut geklappt“, freut er sich.
Eine Belohnung gibt es direkt im Anschluss: Die Juroren verraten noch in der Halle dem Trommel-Ensemble, dass es die 81-Punkte-Marke, die für die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften erreicht werden muss, überschritten hat.
Bei der Bekanntgabe der Tagesergebnisse am Abend hat Maurice dann noch mehr Grund zum Jubeln: Auch der gesamte Verein fährt zu den Deutschen Meisterschaften. Also wird der 15-Jährige auch dort gleich mehrfach seine Stöcke tanzen lassen.