Alles so schön bunt hier - Große Gefahren durch Drogen im Straßenverkehr

Verschärfte Kontrollen: Die Polizei achtet inzwischen auch stärker auf mögliche Drogensünder am Steuer.Foto:
Verschärfte Kontrollen: Die Polizei achtet inzwischen auch stärker auf mögliche Drogensünder am Steuer.Foto:
(dpa)


Manche Dinge ändern sich nie: So gilt Alkohol als Gefahr im Straßenverkehr. Gleichzeitig geistert das Thema Drogen als Gefahr für Autofahrer seit Jahren eher als Nebensache durch die Öffentlichkeit. Tatsächlich aber sind Drogen im Straßenverkehr allgegenwärtig. Hinzu kommt, dass ein immer wichtiger werdender Bereich wie der Einfluss von Medikamenten noch weniger im Bewusstsein ist als die Drogen.

„Im Jahr 2000 wurden noch 27 374 Unfälle unter Alkoholeinfluss mit Personenschaden registriert - 2008 waren es 18 215“, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Im Hinblick auf den Drogenkonsum werden zwar weniger Fälle registriert. Allerdings ist hier der Trend eindeutig - in die umgekehrte Richtung. Laut DVR lagen die Zahlen für Unfälle mit Personenschäden unter dem Einfluss berauschender Substanzen im Jahr 2000 bei 1015, im Jahr 2008 waren es 1433.


Die Zahlen sind nur ein vager Hinweis auf das tatsächliche Geschehen. ADAC-Expertin Almut Schönermarck geht davon aus, dass sich der Drogenkonsum in den vergangenen Jahren nicht so erhöht hat, wie es die Zahlen nahelegen. Die Polizei sei sensibler geworden und habe mehr Kontrollmethoden, um Drogenkonsumenten zu erwischen. Trotzdem sei die „Statistik nur die Spitze des Eisbergs“.

Tatsächlich scheint das Bewusstsein für die Gefahren der Drogen im Straßenverkehr bei jungen Autofahrern noch nicht angekommen zu sein. So geht der Automobilclub ACE davon aus, dass 24 Prozent der jungen Kraftfahrer den Umgang mit Haschisch als unbedenklich ansehen, wenn er kontrolliert erfolgt.

Das Problem dabei: Selbst wer weiche Drogen als eher harmlos einschätzt, muss eingestehen, dass die Nebenwirkungen nicht mit den Anforderungen auf dicht befahrenen Straßen in Einklang zu bringen sind. So gilt als typische Wirkung von Haschisch eine gewisse Schläfrigkeit. Hinzu kommen Stimmungsschwankungen oder Störungen der zeitlichen und räumlichen Wahrnehmung.

Wird zu härteren Stoffen gegriffen, gehen damit stärkere Nebenwirkungen einher. Ecstasy steht für erhöhte Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung - auch im Hinblick auf das Autofahren. „Hinzu kommen mögliche Koordinationsprobleme und Übelkeit“, erklärt Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht (DVW). Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind Nebenwirkungen von Halluzinogenen wie LSD. „Hier kann es zu einer Abkehr von der Realität kommen.“ Bei Kokain kann die Herabsetzung der Fähigkeit zur Selbstkritik zu lebensgefährlichem Risikoverhalten und der Unterschätzung von Gefahren im Verkehr führen.

Bleibt das Stichwort Medikamente. „Statistisch gesehen greift jeder Bürger dreimal am Tag zu einem Medikament“, sagt Sven Rademacher vom DVR. „Experten gehen davon aus, dass 20 Prozent der Medikamente einen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit haben.“ Es gibt zahllose ältere Autofahrer, die medikamentös beeinträchtigt durch die Gegend gurken, ohne sich irgendeiner Schuld bewusst zu sein. Da heißt es: Fragen Sie zuerst ihren Arzt oder Apotheker, bevor Sie den Zündschlüssel umdrehen.


09 · 10 · 09



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