Hörstel
Interview
02.02.2012

Aus altem Laub neue Energie gewinnen

Die Idee von Tobias Peselmann und dem Ibbenbürener Bauhof, aus Laub Briketts zum Heizen zu pressen, wurde nun auf der Grünen Woche in Berlin vorgestellt. Wir haben dazu ein Interview mit Peselmann geführt.

Riesenbeck/Ibbenbüren. Das wird ein echter Turbo fürs Unternehmen: Tobias Peselmann (39) – Dipl.-Ing. alter Schule und Experte für nachhaltige Energiekonzepte – hat zusammen mit Werner Dirkes (Chef des Ibbenbürener Bauhofes) eine echt pfiffige Idee ausgeknobelt: Man nimmt ganz normales Straßenlaub aus Kehrmaschinen, lässt es trocknen und presst das Material zu festen Briketts. Die kann man verheizen. Klingt einfach. Und klappt. Peselmann, Dirkes und die Firma Riela (Riesenbeck) haben das bei einer öffentlichkeitswirksamen Aktion in Püsselbüren bewiesen. Jetzt hat Peselmann seine Laub-Briketts auf der Grünen Woche (die weltgrößte Ausstellung für Ernährungs- und Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau) in Berlin vorgestellt. Wir haben dazu ein Interview mit ihm geführt:

Laub sammeln, trocknen und pressen, Briketts daraus machen – wie kommt man auf so was, warum macht man so was?

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Tobias Peselmann: Das Laub muss abgefahren werden. Das kostet die Städte sehr viel Geld und verursacht einen hohen CO 2-Ausstoss. Laub ist wie Stroh, ein verkannter regionaler Brennstoff. Und dass man es pressen kann, haben wir ja auch jetzt erst festgestellt. Plötzlich kann man Laub, aber eben nur wenn es zu Briketts gepresst ist, als normalen Brennstoff nutzen. Die Briketts haben sechs Zentimeter Durchmesser und sind zwei Zentimeter hoch. Das ist praktisch, das passt in jeden Biomasse-Heizkessel.

Welches Laub überhaupt?

Peselmann: Es geht um das Laub aus den Straßen-Kehrmaschinen und aus den Gärten der Bürger. Und es geht ganz bestimmt nicht um Laub aus dem Wald. Das ist tabu! Eine Studie sagt, dass pro 100 Einwohner eine Tonne Laub pro Jahr anfällt. Und es gibt 2500 städtische Bauhöfe in Deutschland, die Laub einsammeln, alles potenzielle Kunden. Wir haben Anrufe von Interessenten aus Kassel, aus Soest, aus Hamburg und auch aus Süddeutschland ...

Die eigentliche Idee für die Laub-Briketts ...

Peselmann: ...ist ein Abfallprodukt. Ich hatte am Bauhof in Ibbenbüren zu tun. Da ging es um Holzhackschnitzel und Heckenschnitt. Werner Dirkes hat mich gefragt, was er mit dem ganzen Laub machen soll? Wir haben uns das dann gemeinsam überlegt. Das man das Laub trocknen muss, das war klar. Auf dem Papier hat’s dann funktioniert und zusammen mit der Firma Riela haben wir es ausprobiert. Es hat geklappt.

Und mit Blick auf Energie ist das eine gute Sache?

Peselmann: So wie es aussieht liegt der Heizwert bei 5,3 Kilowattstunden pro Kilo Laub-Brikett. Zwei Kilo Laub sind wie ein Liter Heizöl. Aber die Briketts sind deutlich billiger und wir müssen damit nicht durch die Straße von Hormus ...

Sie haben dieses Projekt jetzt auf der Grünen Wochen in Berlin präsentiert. War es ein Erfolg?

Peselmann: Ja, das kann man sagen. In der Halle „nature tec“, in der unser Stand war, gab es viele Führungen. Für viele Politiker und viele Vertreter von Umweltministerien aber auch für viele ganz normale Messebesucher war das mit den Laub-Briketts einfach das Ding!

Und konkret?

Peselmann: Haben wir mit dem Vizepräsidenten des hessischen Landtages über ein Pilotprojekt gesprochen, haben mit dem Bauernverband gesprochen, mit dem Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, mit dem Bundesverband Bioenergie. Viele Leute waren fasziniert.

Was werden nun die nächsten Schritte sein?

Peselmann: Das Netz-Ingenieurbüro hat Gebrauchsmusterschutz und auch patentrechtliche Dinge auf den Weg gebracht. Die Nutzung solcher Laub-Briketts kann ein Baustein sein für jede Kommune, die energieautark werden will.

Und hier vor Ort?

Peselmann: Da heißt es raus aus der Konzept- und Planungsphase. Wir möchten den ganzen Prozess gerne an einem Projekt in Ibbenbüren einmal durchexerzieren. Dazu müsste man einen Biomassekessel in ein Gebäude einbauen, die Verwertungsstrecke herstellen und dann ganz praktisch damit heizen.

Was bedeutet dieses innovative Projekt – bundesweit liegen Sie ja vorne – für Ihr Unternehmen?

Peselmann: Ich sehe riesiges Potenzial: Jede Gemeinde, jede Stadt in Deutschland ist ein Kunde dafür. Wenn das gut anläuft werden wir uns personell bestimmt stark erweitern.

Abschließend bitte noch ein kurzer Blick auf Energiepolitik ganz allgemein: Öl und Gas sind Auslaufmodelle, oder?

Peselmann: Eindeutig Ja! Aber in Sachen Energie gibt es keinen Königsweg. Nur ein Mix wird es bringen für die Zukunft. Wind, Biomasse und Bio-Gas sind die tragenden Elemente, wo es Sinn macht auch Solaranlagen. Wichtig sind zwei Dinge: Sich auf die Ressourcen vor Ort besinnen und – besonders wichtig – Energie einsparen!

henbild
Autor: Peter Henrichmann-Roock
Tel: 05451 933 239

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