
Planen und denken ohne Geländer
Angehende Stadtplaner der Osnabrücker Hochschule haben den Bürgern in der voll besetzten Aula in Riesenbeck ihre Ideen und Anregungen für die Ortsgestaltung vorgestellt. Den Applaus des Abends erhielt die Gruppe mit einem Vorschlag zur Ampelschaltung.
Riesenbeck. Mit Kreativität und etwas Mut ließe sich im Riesenbecker Ortskern einiges gestalten. Diese Meinung vertraten die Studierenden von Prof. Edgar van Schayck von der Hochschule Osnabrück recht eindrucksvoll. In fünf Gruppen stellten die angehenden Stadtplaner den Zuhörern in der voll besetzten Aula in Riesenbeck ihre Ideen und Anregungen vor. Diese hatten sie in den Wochen zuvor erarbeitet. Zwar nach den Regeln der Wissenschaft, aber ohne sich an feste Vorgaben aus dem Rathaus halten zu müssen – „denken ohne Geländer“ sozusagen. Will heißen: Mit einem Federstrich ließen sich auch schon mal Privatgrundstücke überplanen. Zum Beispiel, um an der Ecke Surenburger Straße / Bevergerner Straße eine Linksabbiegespur zu schaffen. Auch das Dauerthema Kreuzungsampel kam zur Sprache. Den Applaus des Abends erhielt die Gruppe mit folgendem Vorschlag: Die Ampel wird in drei Phasen geschaltet, sodass Linksabbieger den ungeduldigen Nachfolgern nie mehr im Wege stehen.
Im Gespräch war natürlich auch der Radweg durch die Ortslage. „Als Ortsfremder wundert man sich, wo man hier langfahren muss“, sagte eine Studentin. Zu den Favoriten zählte eine Radwegemarkierung auf der Fahrbahn. Ob das Landesamt dazu seinen Segen gibt, steht freilich auf einem anderen Blatt. Nach Meinung der Studenten lässt sich die Situation der Radfahrer verbessern, indem die innerörtlichen Pättkes optimiert werden. Einige Leuchten und die Befestigung der teils matschigen Wege könnten ohne großen Aufwand schnelle Wirkung zeigen. Positiv wäre auch ein weiteres Pättken, das bis zum Einkaufszentrum heranführt.
Die Verwaltungsspitze und Ratsmitglieder nahmen die Vorschläge mit ebenso großem Interesse auf wie die Zuhörer. Wiederum unabhängig voneinander schlugen alle fünf Arbeitsgruppen den Bau eines Kreisverkehrs auf der Münsterstraße Ecke Postdamm vor, „am besten mit einem Reitermotiv“, so der Vorschlag. Ein Kreisel würde nämlich nicht nur die gefährliche Kreuzung sicherer machen, sondern auch signalisieren: Hier beginnt der Ort.
Sehr viel Mühe verwendeten die Studenten darauf, das Gelände ehemals Edeka, Kerkhoff und Gärtnerei Veltmann zu überplanen. Darum waren sie von der Stadt gebeten worden. Ihre Projekte für das Viertel tragen klangvolle Namen wie „Wohnen am Park“, „Mehrgenerationsquartier“ oder „WohnGut Kalixtus“. Favorit für das Filetstück inmitten des Ortes waren Mehrgenerationen- bzw. Seniorenwohnanlagen. Auch hier lassen sich bestimmt einige Anregungen intensivieren. Ob aber jemals die Bronzeplastik vom Schmied und seinem Lehrling dort umziehen wird, wie es eine Gruppe vorschlug, bleibt zweifelhaft. Der Schmied-Platz sollte dennoch angepackt werden, befanden die Studenten. Der kleine Platz an der Ecke Hospitalstraße solle ebenerdig angelegt und vielleicht mit einem Wasserspiel versehen werden.
Interessant ist der Vorschlag, vorhandene Materialien wie Platten, Bänke oder Leuchten einheitlich zu verwenden. Die Platzgestaltung am Hallenbad gefiel einigen Studenten so gut, dass sie als Vorbild für weitere Projekte dienen könnte. Aufmerksamkeit verdienen neben den großen Vorhaben sicherlich auch die vielen „kleinen“ Gestaltungsmöglichkeiten. Sei es durch Bäume, Hecken, Beschilderung oder Beleuchtung. Zum Abschluss gab Bürgermeister Heinz Hüppe den Zuhörern auf den Weg, dass sich nur im Team etwas umsetzen lasse: „Wenn wir etwas machen möchten, geht es nur gemeinsam.“

Tel: 05451 933 245
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Kommentare (1)
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„Als Ortsfremder wundert man sich, wo man hier langfahren muss“, sagte eine Studentin.
Häh? Unglaublich, dass angehende Stadt-/Verkehrsplaner die STVO nichtmal bis §2 beherrschen, aber dann planen wollen, tsts. "Fahrzeuge haben die Fahrbahn zu benutzen." Ist doch nicht schwer, oder?
Bitte, bitte, auch keine Radwege dort anlegen. Ich frag mich ja ohnehin, wie man glauben kann, dass die vorgeschlagenen Rad- bzw. Schutzstreifen was bringen. Die Fahrbahn wird doch nicht breiter dadurch.
Im Gegenteil:
a) Radfahrer werden verleitet, unerlaubt und gefährlich nah an rechts parkenden Fahrzeugen vorbeizufahren. Aber wehe, der Radfahrer fährt deswegen links vom Streifchen, dann gibts Ärger von manchem Autofahrer.
b) die den Radfahrer Überholenden achten tendenziell nicht mehr so auf den einzuhaltenden Überholabstand, der Radfahrer ist ja auf ner anderen Spur.
Kurz gefragt: Was sollen eigentlich diese ach so tollen Streifchen bringen?