
CDA würdigt "Arbeiterbischof" Wilhelm Emmanuel von Ketteler
Mit einem Festakt gedachten am Sonntag zahlreiche Gläubige und Verehrer einer der prägendsten Bischofspersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts: Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Bevor er Bischof von Mainz wurde, hat er als „Bauernpastor“ die Gemeinde Hopsten entscheidend geprägt.
Hopsten. Mit einem Festakt gedachten am Sonntag zahlreiche Gläubige und Verehrer einer der prägendsten Bischofspersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts: Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Bevor er Bischof von Mainz wurde, hat er als „Bauernpastor“ die Gemeinde Hopsten entscheidend geprägt.
Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatte der Kreisverband Steinfurt der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Organisiert wurde der Festakt von Mitgliedern der CDU Hopsten-Schale-Halverde. Am Beginn stand ein Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg.
Mit ergreifenden Worten berichtete er über das Leben und Wirken des westfälischen Freiherrn und über dessen Beweggründe, den Staatsdienst aus Glaubens- und Gewissensgründen zu quittierten und sich für das Priesteramt zu entscheiden. Sein Wirken bilanzierte Pfarrer Söntgerath mit den Worten: „Von Ketteler hat eine Blickveränderung in der Kirche bewirkt.“
Zum anschließenden Festakt begrüßte der Vorsitzende der Kreis-CDA, Karl-Heinz Hagedorn, zahlreiche Gäste in der Aula des Schulzentrums. „Die ganze Seligkeit seines Daseins hielt von Ketteler für sich erreicht, als er 1846 zum Dorfpfarrer von Hopsten ernannt wurde“, sagte Hagedorn. „Der einstige Bauernpastor ist uns CDAlern als Arbeiterbischof ein wegweisendes Vorbild. Bis heute, nach 160 Jahren, haben von Kettelers soziale Forderungen noch immer Bedeutung für die Gegenwart.“ Ein Stichwort sei der auskömmliche Lohn. „Jeder muss, wenn er voll erwerbstätig ist, auch von seinem Lohn leben können.“
Weitere Grußworte sprachen Bürgermeister Winfried Pohlmann, der Hopstener CDU-Vorsitzende Dr. Werner Üffing, MdL Bernhard Tenhumberg (CDU/CDA) und MdB Dieter Jasper (CDU). „Auch heute haben die von ihm formulierten Grundprinzipien nichts von ihrer Aktualität verloren“, sagte Jasper.
Die Festrede selbst hielt Professor Dr. Hermann-Josef Große Kracht vom Institut für Theologie und Sozialethik der TU Darmstadt. „Getragen vom Willen zur Gerechtigkeit“ lautete der Titel seines Vortrages.
Professor Große Kracht nannte diese Überschrift bezeichnend für das sozialpolitische Anliegen von Kettelers, der sich das Thema soziale Gerechtigkeit wie sonst niemand im politischen und sozialen Katholizismus seiner Zeit angenommen hatte. Ebenso bezeichnend sei sie für die Charakterzüge des eigenwilligen westfälischen Freiherrn.
Das Referat zeigte den Menschen Wilhelm von Ketteler, dessen Beweggründe und geistige Ausrichtung.
Kettelers inniges Bemühen um die Lösung sozialer Fragen war auf das Engste mit in die Tat umgesetztem christlichen Glauben verbunden. Dennoch blieb von Ketteler im politischen und sozialen Katholizismus seiner Zeit über weite Strecken ein eher einsamer Rufer in der Wüste.
Doch gilt er als Wegbereiter der sozialen Errungenschaften unserer Zeit. Professor Große Kracht zweifelt allerdings, „ob in unserem Land, in unseren Kirchen und Parteien noch genügend Leute unterwegs sind, die mit einem ähnlichen Feuereifer wie dem des Wilhelm von Ketteler von der Sozialpolitik überzeugt und fasziniert sind“.
Wilhelm Emmanuel von Ketteler:
Wilhelm Emmanuel von Ketteler wurde am 25. Dezember 1811 in Münster geboren und starb am 13. Juli 1877 in Kloster Burghausen, Landkreis Altötting. Die Priesterweihe empfing von Ketteler am 1. Juli 1844 in Münster. Es folgte eine Kaplanstelle in St. Stephanus in Beckum, wo sein soziales Engagement alsbald deutlich wurde. Auf seine Anregung hin und mit seiner finanziellen Unterstützung wurde ein Krankenhaus für die Menschen der unteren Gesellschaftsschichten gebaut. Im November 1846 übernahm von Ketteler die seinerzeit seelsorgerisch verwahrloste Gemeinde Hopsten. Kettelers Vorgänger hatte dort bis ins hohe Alter von 98 Jahren die Pfarrei geleitet.
Die Jahre in Hopsten bis 1848 haben den „Bauernpastor“ von Ketteler entscheidend geprägt. Sein unermüdlicher Einsatz galt der Linderung des Elends, das durch Armut, Krankheit (Typhus) hervorgerufen wurde. Das brachte ihm die Hochachtung der Bevölkerung ein. Von Ketteler wäre gerne in Hopsten geblieben. Schweren Herzens wechselte er als Probst nach Berlin.
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