Hopsten
Kaaren Beckhof plant Projekt in Schale
03.02.2012

Kunst im Morgengrauen

Für ein Projekt kehrt die aus NRW stammende Berliner Künstlerin Kaaren Beckhof an die Hänge des Teutoburger Waldes zurück. Was genau sich hinter ihrem Vorhaben, den Alltag als Bühne zu nutzen und die Schaler mit ganz besonderen Bildern zu überraschen, steckt, hat sie im Interview verraten.

Schale/Berlin. Die Wurzeln von Kaaren Beckhof liegen in Nordrhein-Westfalen, in Bad Salzuflen. 1987 zog es sie nach Berlin, wo sie heute noch lebt und als freie Künstlerin und Kunstvermittlerin arbeitet.

Für ein Projekt, das Stipendium KunstKommunikation des DA Kunsthauses Kloster Gravenhorst, kehrt sie nun an die Hänge des Teutoburger Waldes zurück. Was genau sich hinter ihrem Vorhaben, den Alltag als Bühne zu nutzen und die Schaler mit ganz besonderen Bildern zu überraschen, steckt, hat sie im Interview verraten.

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War Ihnen Schale vor einem halben Jahr ein Begriff?

Kaaren Beckhof: Ja, ganz knapp. Mitte August, am Ende der Ideenwerkstatt, stand die erste öffentliche Präsentation der 14 vorausgewählten Projekte zum „Open-Art“ fest. Dort gab ich meine Suche nach einem Dorf bekannt. Karin Kindervater vom Schulamt für den Kreis Steinfurt war so freundlich, mir eine Liste von kleinen Orten, die zumindest eine Schule haben, zu geben. Darunter befand sich Schale.

Wieso ist der Ort so ideal für Ihr Projekt?

Beckhof: Schale hat einen klar definierten Dorfkern, ist aber groß genug, dass ich Hoffnung habe, eine Gruppe von zehn bis 20 ganz unterschiedlichen Schalern für meine „Kolamschule“ gewinnen zu können. Mir ist Schale auch durch sein überaus aktives Vereinsleben und die Inselsituation als überwiegend evangelisches Dorf in katholischer Umgebung aufgefallen. Vor allem aber überzeugten mich die lebendigen und fruchtbaren Gespräche mit den Schalern, die ich wegen meines Projektes kontaktierte und im Januar persönlich getroffen habe.

Was genau haben Sie vor und was verbirgt sich hinter Kolams?

Beckhof: Ich werde im Frühjahr das südindische Kolamsetzen ins Münsterland bringen. Kolams sind labyrinthartige, mit weißem Steinmehl zu Sonnenaufgang vor den Hauseingang gestreute Zeichnungen. Die Grundform besteht aus einem Punktegitter, das, meditativer Konzentration folgend, mit einer unendlichen Linie umfahren wird. Sie markieren Schwellen zwischen innen und außen, Privatem und Öffentlichem, Besonderem und Profanem. Sobald Kolams vollendet sind, tragen sie sich wieder ab. Insbesondere in Tamil Nadu ist das Kolamsetzen eine alte, doch sehr lebendige künstlerische Tradition, die von fast allen Bevölkerungsgruppen praktiziert wird. Im Allgemeinen wird das Kolamsetzen mit Ideen von Begrüßung und Segen verbunden. In Schale setze ich zunächst Kolams nach Absprache, auf Anfrage oder auf Einladung hin vor öffentliche Gebäude und an private Orte, zu denen Freunde, Bekannte und Nachbarn und die Öffentlichkeit eingeladen werden können. Der größte aktive Teil wird am Himmelfahrtsmorgen sein. Interessierte können dann vor Ort meine Kolamschule besuchen.

Haben die Schaler ein Mitspracherecht, was für ein Kolam sie bekommen?

Beckhof: Nicht in dem Sinne, wie man sich ein Tapetenmuster oder eine Frisur aus einem Katalog auswählen kann. Ich reagiere mit einem Kolam auf die Situation, die Menschen, den Ort und weiß selber nicht vorher, was genau dabei herauskommt. Ich fertige auch keine Entwurfszeichnungen an, sondern nur Übungszeichnungen.

Wie lange bleiben die Kolams in Schale?

Beckhof: Ist ein Kolam vollendet, beginnt es augenblicklich wieder zu vergehen. Aber auf Sandstein können Spuren eines Kolams bis zu drei Wochen erkennbar bleiben – wenn es nicht regnet. Besucher können sich per Weblog und über eine Tafel vor Ort informieren. Mit Schalern verabredete Kolamsetzungen vom 8. April bis zum 16. Mai werden wöchentlich bekannt gegeben. Wer dafür früh aufstehen mag, kann jederzeit dazukommen. Für alle, die an Himmelfahrt zu Sonnenaufgang in Schale anreisen, gibt es Handzettel mit einer Route, die an diesen Spuren entlangführt. Die Aktion wird zwei Stunden dauern. Im Anschluss gibt es ein gemeinsames Frühstück, bei dem meine Mitstreiter und ich Fragen beantworten.

Autor: Antje Raecke
Tel: 05451 933 238

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