
Mehr Zeit für kleine Experimente
„Jedes Kind entwickelt sich in seinen eigenen Zeitspannen“ – das möchte Meike Evers Eltern, Erziehern und Lehrern vermitteln. Auf Einladung des Familienzentrums St. Georg in Hopsten referierte die Erzieherin und Diplom-Montessori-Pädagogin Entwicklungsstufen in der frühen Kindheit.
Hopsten. „Jedes Kind entwickelt sich in seinen eigenen Zeitspannen“ – auf dieses Credo lässt sich bringen, was Meike Evers Eltern, Erziehern und Lehrern zu sagen hat. Auf Einladung des Familienzentrums St. Georg in Hopsten referierte die Erzieherin und Diplom-Montessori-Pädagogin aus Brochterbeck zum Thema „Lasst mir Zeit, Entwicklungsstufen in der frühen Kindheit“. Im Interview berichtet die 41-jährige Mutter von vier Jungen über Kindheit heute.
Wodurch werden kleine Kinder oft überfordert?
Evers: Eltern neigen schnell dazu, Kinder zu vergleichen. Das fängt schon in den Krabbelgruppen an: Wer kann schon laufen, wer mit dem Löffel essen, wer spricht? Das führt dazu, dass Eltern schnell denken, sie müssten nachhelfen, wenn ihr Kind noch nicht so weit ist. Sie sind unsicher: Was ist normal und was sind Spannen in der Entwicklung? Und das zieht sich durch im Kindergarten. Heute sollen Kinder möglichst früh schulfit gemacht werden. In der Grundschule geht es weiter damit, dass Eltern möglichst auf eine Gymnasial-Empfehlung hinarbeiten.
Wie reagieren Kinder auf Überforderung?
Evers: Das ist unterschiedlich. Das kann mit Verweigerung sein: dass sich ein Kind zurückzieht. Oder dass sie aggressiv reagieren oder sagen: Heute will ich aber nicht weg. Aber das können nicht alle Kinder. Es ist erwiesen, dass schon Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter depressiv werden oder eine gewisse Traurigkeit empfinden. Das bremst die Eigenmotivation.
Welche Reaktionen gibt es noch?
Evers: Es gibt auch Kinder, die sich da richtig ´reinsteigern und alles perfekt machen wollen. Weil sie den Eltern gefallen wollen. Kinder sind sehr unterschiedlich. Es gibt welche, die haben drei Angebote die Woche und stecken das ganz gut weg. Ich erlebe aber oft, dass Kinder zu viel haben. Dass die freie Zeit, in der sie Dinge ohne Ziel ausprobieren können, immer weniger wird.
Was raten Sie Eltern?
Evers: Dass sie ihr Kind positiv sehen. Genau schauen: Was kann mein Kind nicht alles schon. Eltern sollten die Wahrnehmung für das eigene Kind schulen: Wie macht mein Kind denn die Dinge, wenn ich es einfach mal lasse? Und dazu brauchen Kinder Zeit, in der sie selbst experimentieren können – und auch ganz ohne Beobachtung von Erwachsenen. Kinder brauchen es unbedingt, sich auch einmal ohne Erwachsene auszuprobieren. Es ist wichtig, dass Eltern dem Kind Vertrauen schenken und daran glauben, was alles in dem Kind steckt. Die eigenen Eltern kennen ihr Kind am besten. Außenstehende bekommen immer nur einen Ausschnitt mit.
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