
Selbstverständlich Leben retten
Schüler der Hüberts’schen Schule haben sich in den vergangenen Jahren typisieren lassen, um als Knochenmarkspender infrage zu kommen. Sie wollen Leben retten - dabei werden sie allerdings auch von gemischten Gefühlen begleitet.
Hopsten. Christian Wirtz, Doris Bregen-Meiners und Anne Hemme haben es schon getan. Niklas Kosa hat es noch vor sich. Daher hört der 18-Jährige gespannt den Geschichten zu, die die drei anderen erzählen. Beim Stichwort Goldhamster wird er besonders hellhörig. Denn was sollen die Eierstöcke chinesischer Hamster mit Knochenmark- oder Stammzellenspenden für Leukämiekranke zu tun haben?
Bis sie sich diese Frage stellten, hatten drei der vier von der Hüberts’schen Schule in Hopsten ein und denselben Weg hinter sich: Sie alle haben sich in den vergangenen Jahren typisieren lassen. Ihnen wurde Blut abgenommen, ihre Werte in Dateien gespeichert, die potenziellen Knochenmarkspender registrieren.
Bei Christian Wirtz ist die Spende noch gar nicht lange her: Anfang Januar hat der Auszubildende mittels einer Apherese – einer Art Blutwäsche – Stammzellen gespendet. Dabei kommt der chinesische Goldhamster ins Spiel. „Wer sich für diese Art der Spende entscheidet, muss sich vorher einer Hormontherapie unterziehen, damit die Produktion von Stammzellen angeregt wird“, erklärt der 21-Jährige. Eine Woche Spritzen, deren Inhalt unter anderem von dem kleinen flauschigen Tierchen aus Fernost kommt.
„Man fühlt sich in der Zeit etwas schlapp und merkt, dass der Körper arbeitet“, beschreibt Doris Bregen-Meiners das Gefühl während der Kurzzeit-Therapie. Sie hat für ihre Spende Anfang 2009 genau denselben Weg wie Christian Wirtz gewählt. Im Gegensatz zu ihm weiß sie allerdings etwas über den Empfänger: „Es war für eine Frau, ungefähr in meinem Alter.“ Und sie weiß, dass die Behandlung anschlug.
Diese Informationen können Spender nach einigen Wochen abfragen. Die Identität des Empfängers bleibt aber mindestens zwei Jahre geheim. Erst dann ist ein Kontakt möglich. Aber ein Treffen, ein Brief, ein Telefonat – das kann sich Christian Wirtz nicht vorstellen: „Ich möchte mich nicht an diese Leistung, die für mich selbstverständlich war, binden lassen.“
Angst, dass ein Kontakt mit zu vielen falschen Erwartungen auf der Gegenseite verbunden sein könnte, hat auch Anne Hemme. Sie machte mit bei einer Typisierungsaktion an der Schule und bekam nur zwei Monate später Post: „Das habe ich nicht wirklich ernst genommen. Es hörte sich nach einem zu großen Zufall an.“ Doch es war ernst, vor zwei Jahren wurden ihr in einer Klinik in Wiesbaden unter Vollnarkose 1,3 Liter Knochenmark aus den Hüftknochen entnommen. Für wen, weiß sie nicht. Den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme könnte sie jetzt machen, möchte es aber nicht: „Es soll sich niemand mir gegenüber verpflichtet fühlen.“
Darüber, wer der Empfänger seines Knochenmarks sein könnte, hat sich Niklas Kosa noch keine Gedanken gemacht. Für ihn ist derzeit die klare Entscheidung für eine Spende viel wichtiger. Denn: „Sobald ich zusage, wird das Immunsystem des Empfängers komplett herunter gefahren.“ Eine kurzfristige Absage hätte tödliche Konsequenzen.
Doch ein Rückzieher kommt für den Schüler nicht infrage. Vor einem Jahr ließ er sich registrieren, weil ein Freund von ihm Leukämie hatte. Ihm konnte geholfen werden. Und helfen will auch Niklas.
Zahlen, Daten und Fakten
Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Stammzellen- und Knochenmarkspenden sind oft die letzte Rettung. Eine entsprechende Registrierung potenzieller Spender nimmt unter anderem die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) vor. Dort sind mehr als 2,6 Millionen Menschen verzeichnet. Die Zahl derer, die tatsächlich mit einer Knochenmark- oder Stammzellenspende helfen konnten, liegt bei mehr als 28 000. Im Kreis Steinfurt sind bis heute 19 851 Menschen in der Kartei registriert. 255 von ihnen konnten nach Angaben der DKMS bereits spenden und Leukämiepatienten weltweit die Chance auf Leben schenken. Das Ziel der DKMS und ihrer Mitstreiter ist es, irgendwann für jeden Patient, der eine Stammzellenspende braucht, einen passenden Spender zu finden.
Mehr Informationen zur Kartei, zur Typisierung und den Spenden unter www.dkms.de.

Tel: 05451 933 238
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