
Zukunft mit Unbekannten
Als ihr Mann Franz vor viereinhalb Jahren bei dem schrecklichen Busunfall des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Hopsten ums Leben kam, stand für Maria Frekers fest: Sie wollte den Sauen- und Mastbetrieb weiterführen. Und heute? Wenn es um die Zukunft ihres Betriebes geht, muss die Landwirtin mit Unbekannten rechnen.
Tecklenburger Land. Als ihr Mann Franz vor viereinhalb Jahren bei dem schrecklichen Busunfall des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Hopsten ums Leben kam, stand für Maria Frekers fest: Sie wollte den Sauen- und Mastbetrieb weiterführen. „Hätten wir damals verpachtet, hätten wir den Kindern die Chance genommen, einst den Hof zu führen“, sagt die 51-Jährige über ihre sechs Nachkömmlinge. Und heute? „Die ersten vier sind schon disqualifiziert“, sagt sie und lacht. Keine Frage: Wenn es um die Zukunft ihres Betriebes geht, muss die Landwirtin mit Unbekannten rechnen.
Das heißt nicht, dass keines ihrer Kinder oder deren mögliche Partner einmal den Betrieb führen möchten. Nur heute kann Maria Frekers nichts zur Zukunft des über Jahrzehnte gewachsenen Familienbetriebs sagen. Beruflich zeichnen sich bei den vier Großen andere Wege ab. Die Jüngsten drücken noch die Schulbank.
Wie Maria Frekers geht es vielen Berufskollegen im Tecklenburger Land. „Unser Ältester ist erst 15“, sagt Walter Wiesmann, Ortslandwirt in Hopsten. Da sei es viel zu früh, klare Aussagen zur Hofnachfolge treffen zu können. Deshalb habe er im vergangenen Jahr das Kästchen „noch ungeklärt“ angekreuzt. Seinerzeit hatte das statistische Landesamt von Betriebsleitern über 45 Jahren wissen wollen, ob die Hofnachfolge geregelt sei (dazu Zum Thema). Wiesmann ist überzeugt: „Ich glaube, dass auf Dauer der ein oder andere Betrieb abgegeben werden muss.“
Die Voraussetzungen für eine Zukunft des Hofes hat Maria Frekers nach 2007 geschaffen: Die gelernte Arzthelferin und MTA bildete sich zur Landwirtin im Nebenerwerb weiter. Nun lässt sie sich zur Agarbürofachfrau ausbilden.
„Die Entwicklung in der Landwirtschaft geht immer schneller“, sagt sie. Der Strukturwandel schreite voran, Betriebe müssten rasant vergrößert werden, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Oftmals hätten sie nur zwei Möglichkeiten: Aufgeben und Flächen sowie Ställe verpachten oder die Spezialisierung. „Wir haben ein geschlossenes System vom Abferkeln bis zur Mast. Wollten wir vergrößern, müssten wir alle Bereiche vergrößern“, so Frekers.
André Hermes rechnet sich trotz des Strukturwandels gute Zukunftschancen aus. Der 29-jährige Landwirt und staatlich geprüfte Agrarbetriebswert ersetzt als Angestellter von Maria Frekers seit vier Jahren die Arbeitskraft ihres verstorbenen Mannes. Weil der elterliche kleine Bullenmastbetrieb Hermes keine Perspektive bot, absolvierte er seine Ausbildung in einem Fremdbetrieb. Er ist sich sicher: „Die immer größer werdenden Betriebe kommen auf Dauer nicht ohne Mitarbeiter aus.“
Inzwischen stammen 40 Prozent aller Auszubildenden in landwirtschaftlichen Betrieben nicht mehr aus der Landwirtschaft, sagt Albert Rohlmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Hörstel. „Ihre Berufschancen sind top: als Fachkräfte im Betrieb oder im vor- oder nachgelagerten Bereich“, so der 46-Jährige. Bei ihm daheim ist die Nachfolge ebenfalls noch offen, wenngleich er die Hoffnung hegt, dass eines der drei Kinder einmal in seine Fußstapfen tritt.
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