
Bahnübergang Glücksburger Straße: "Das ist doch meine Geschichte"
Der junge Mann, der am Dienstag seinen Angaben nach bei offenen Bahnschranken an der Glücksburger Straße nur knapp von einem Zug verfehlt wurde, ist nicht der einzige mit einem solchen Erlebnis an dieser Stelle. Ruth Pohlmann ist ähnliches passiert - ihr war eine Schranke aufs Autodach geknallt.
Ibbenbüren. Jetzt wird’s merkwürdig: Ruth Pohlmann (46) aus Hopsten hat sich ein Herz gefasst und angerufen. „Der junge Mann, über den Sie berichtet haben, der am Bahnübergang mit dem Zug und den offenen Schranken. Als ich das gelesen habe, da hab’ ich gedacht: Das ist doch meine Geschichte!“ Das mit dem Zug und der Schranke ist nämlich auch Ruth Pohlmann passiert. Auch an der Glücksburger Straße. Hier ist ihre Version:
Vor etwa einen Jahr wollte die Frau aus Hopsten mit ihrem Nissan-Geländewagen den Bahnübergang an der Glücksburger Straße passieren. Vor ihr stand ein weiteres Auto. Die Schranke war geschlossen, ein Zug rauschte durch. Ruth Pohlmann schildert weiter, dass sich unmittelbar nach der Zug-Durchfahrt die Schranken geöffnet haben. Das Auto vor ihr fuhr über den Bahnübergang; auch sie gab Gas um herüberzufahren.
Doch: Die Schranke ging wieder herunter, knallte auf die Dachreling des Nissans. „Ich habe mich fürchterlich erschrocken, hab’ den Rückwärtsgang eingelegt und bin sofort zurück gefahren“, erinnert sie sich im Gespräch mit der Redaktion präzise an den Vorfall. Dabei hat sie Glück gehabt, hinter ihr war Platz genug.
Die Schranke rutsche weiter runter auf die Motohaube und – genau in diesem Augenblick rauschte aus Richtung Rheine kommend ein Zug durch.
Ruth Pohlmann hatte „weiche Knie“ und ist zur Polizei gefahren. Dort wurde der Schaden an ihrem Auto dokumentiert, es sind auch Fotos gemacht worden. Wie die Frau aus Hopsten weiter sagt, habe man ihr bei der Polizei mitgeteilt, dass „solche Vorfälle bekannt sind“. Besonders dann, wenn zwei Züge kurz hintereinander durchfahren, könne es zu solchen Situationen an der Schranke kommen.
Über ihr eigenes Erlebnis hinaus, das ihr durch die Berichterstattung wieder so lebhaft ins Gedächtnis gerufen wurde, hat Ruth Pohlmann auch noch die Geschichte eines Arbeitskollegen erzählt. Der Kollege habe mit einer Radfahrergruppe bei einer Radtour den Bahnübergang Glücksburger Straße überquert. Und da sollen angeblich einige Radler zwischen die Schranken geraten sein. Ruth Pohlmann ist sicher, dass auch andere Menschen aus der Region Ibbenbüren schon solche Erlebnisse hatten. „Und ich habe auch angerufen, damit der junge Mann, über den jetzt berichtet wurde, nicht so dasteht, als hätte er eine unwahre Geschichte erzählt.“
Interessante Zusatzinformation: Ein Mitarbeiter unseres Medienhauses schilderte, das gegen 7.40 Uhr am Morgen während der Fahrt des IC 2243 nach Ibbenbüren der Zug zwei mal stoppen musste. Grund laut Durchsage im Zug: Schranken mussten per Hand bedient werden ...
Chronik eines Bahnübergangs
Der Bahnübergang Glücksburger Straße war in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz schwerer Verkehrsunfälle. Auch hat es immer wieder Maßnahmen gegeben, um die bekannt unübersichtliche Situation zu entschärfen:
Im Februar 1985 versucht eine Autofahrerin, trotz geschlossener Halbschranken den Bahnübergang zu überqueren. Das Auto wird vom Zug 400 Meter mitgeschleift. Die Fahrerin stirbt, ihre Tochter überlebt schwer verletzt.
Im Februar 1988 erfasst ein Güterzug das Auto einer Fahrerin. Der Zug trifft das Heck, die 52-Jährige bleibt unverletzt. Zwei Tage später wird eine Verkehrsschau angeordnet.
Im April 1988 wird daraufhin das Linksabbiegen aus der Gillmannstraße untersagt.
Im Februar 1994 verliert ein Kleinlasterfahrer auf dem Bahnübergang die Kontrolle über sein Auto und bleibt im Gleisschotter stecken. Er kann sich gerade noch vor einem herannahenden Zug in Sicherheit bringen. Kurze Zeit später wird öffentlich die Entfernung des Bahnübergangs diskutiert.
Im Juni 1997 durcheilt ein Zug trotz offener Schranken den Bahnübergang. Auch die Blinklichter sind defekt. Autofahrer warnen sich gegenseitig vor der Gefahr.
Im Juni 1999 stirbt ein 22-Jähriger, als er auf dem Bahnübergang in seinem Auto 670 Meter vom Zug mitgeschleift wird.
Im August 1999 wird eine 24-Jährige schwer verletzt, als sie mit ihrem Auto unter einen Zug gerät. In der Folge wird ein längerer Schrankenbaum eingebaut, Mittelschwellen auf der Gillmannstraße sollen überdies verhindern, dass Autofahrer verbotenerweise links abbiegen.
Im Februar 2003 gerät ein Autofahrer unter die sich senkende Schranke. Der herannahende Zug berührt das Auto nur leicht.
Im August 2006 verunglückt ein Radfahrer beim Zusammenstoß mit einem Zug tödlich.
Im Juli 2007 streift ein Lastwagen die sich senkende Schranke.
Ende 2007 macht ein Anwohner erneut öffentlich auf die seiner Ansicht nach unzureichende Sicherung des Bahnüberganges aufmerksam.
Im August 2010 kommen drei Menschen ums Leben, als sie den Bahnübergang bei geschlossenen Halbschranken mit ihrem Auto überqueren und mit einem Zug kollidieren. Der Unfall löst erneut eine Diskussion über die Verkehrssituation an diesem Bahnübergang aus. Viele Bürger fordern, die Halbschranken durch Vollschranken zu ersetzen. Das lehnt die Deutsche Bahn jedoch aus Kostengründen und aufgrund längerer Schließzeiten ab.
Haben Sie ähnliches an diesem Bahnübergang erlebt?
Senden Sie uns eine Mail dazu an redaktion@ivz-online.de, rufen sie uns an unter 0 54 51 / 93 32 42 oder schreiben Sie einen Kommentar unter diesen Artikel.

Tel: 05451 933 239
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Kommentare (5)
Eine Registrierung kostet Sie keinen Cent.
Lokführer und Fahrdienstleiter sind auch nur Menschen ! Auch wenn es sich um Menschen im Status des öffentlichen Dienstes oder ggf. sogar Beamte handelt.
Die Aussagen der Geschädigten würde ich hier nicht so abtun wollen.
Sollte nur der Verdacht einer Gefährdung bestehen, gehört die ganze Anlage demontiert und erneuert ! Koste es, was es wolle. Punkt. Aus. Ende jeglicher Diskussion.
Und eh nicht eine 100%ige Sicherheit gewährleistet ist, gehört die ohnehin irrsinnige Geschwindigkeit die dort Gefahren wird, radikal gedrosselt um jegliche Gefährdung von Menschenleben auszuschließen!
Zu gestern, eine Zugfahrt mit offenen Schranken sehr unwahrscheinlich und jeder Lokführer ist dazu verpflichtet offene Schranken zu melden und auch der Fahrdienstleiter würde es bemerken.