Ibbenbüren
Jugendreport
01.02.2012

Ein Pendlerleben für die Musik

Maike Schieferecke ist Frühstudentin in Berlin: Die Fagott-Spielerin pendelt zwischen Ibbenbüren und Hauptstadt, um noch besser an ihrem Instrument zu werden. Die 19-Jährige kommt aus einer Musikerfamilie und will Orchestermusikerin werden.

Ibbenbüren. Im Zug hat Maike Schieferecke Zeit. Zeit, ihre Hausaufgaben zu machen und für die Schule zu lernen. An ihrem Zielort Berlin kann sie das nicht. Dort heißt es üben, üben, üben – und danach mit ihrem Fagott schnell wieder zurück nach Ibbenbüren fahren. Denn am nächsten Tag muss die 19-Jährige wieder zum Goethe-Gymnasium gehen. Ein Pendlerleben für die Musik.

Seit einem Jahr ist Maike Frühstudentin an der Universität der Künste in Berlin. „Mein alter Lehrer an der Musikschule Osnabrück hat mich für eine Übungswoche bei einem Berliner Dozenten vorgeschlagen“, erinnert sie sich. Die Woche powerte sie gemeinsam mit acht anderen Talenten durch, spielte fast sechs Stunden am Tag. Danach stellte sich Maike dem Eingangstest an der Hochschule – und wurde genommen. Am Julius-Stern-Institut für musikalische Nachwuchsförderung ist sie eine von etwa 50 Frühstudenten.

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Seitdem fährt Maike etwa alle zehn Tage in die Großstadt. Nach der zweiten Stunde geht’s mit der Bahn nach Osnabrück, von dort fährt der IC bis nach Berlin. Noch 20 Minuten U-Bahn-Fahren, dann ist sie da – für 90 Minuten Üben. Danach geht es wieder zurück. Gegen 22.30 Uhr ist sie wieder am Bahnhof Ibbenbüren. Das etwa fünf Kilogramm schwere Instrument hat sie immer dabei. Eine stressige Angelegenheit.

„Ich weiß auch nicht so genau, wie ich das alles durchhalte“, sagt Maike. Sie will es einfach. Und sie schafft es auch. Die Schule leidet unter ihrem Engagement aber nicht, wie die 19-Jährige erklärt: „Seitdem ich pendle, mache ich sogar mehr für die Schule. Denn im Zug habe ich dann acht Stunden Zeit zum Lernen.“

Die Reisen nach Berlin sind nicht gerade billig. Ihre Eltern greifen ihr finanziell unter die Arme. „Sie übernehmen die Fahrtkosten, den Unterricht zahlt das Institut.“

Ein Leben ohne die Musik ist für die Schülerin unvorstellbar. Maike kommt aus einer Musikerfamilie. Mit fünf Jahren griff sie zunächst zur Blockflöte, später folgte das Klavier. In der vierten Klasse landete sie schließlich beim Fagott – und blieb beim Holzblasinstrument. „Ich hatte damals schon überlegt, dass ich auf dem Gymnasium gerne ins Schulorchester möchte“, sagt die 19-Jährige. Eigentlich wollte sie dort Klarinette spielen. „Doch davon gab es schon zu viele.“ Auch kein Problem: Fagottspieler wurden noch gesucht.

An der Musikschule in Ibbenbüren fing ihre Karriere an. Danach probte sie in Osnabrück. Ein bis zwei Stunden am Tag griff Maike zum Instrument. Seit sie in Berlin ist, übt sie täglich doppelt so lange. Und wenn ein Konzert ansteht, bleibt sie auch manchmal mehrere Tage in der Hauptstadt. Wenn es geht, nimmt sie eine Freundin mit.

Das pulsierende Leben in der Metropole gefällt ihr. „Berlin finde ich als Stadt sehr cool. Ich musste raus aus der Kleinstadt“, sagt sie und lächelt. „Und außerdem hat mein Professor einen sehr guten Ruf.“ Maike kann sich gut vorstellen, in Berlin zu bleiben.

Dieses Schuljahr macht sie ihr Abitur. Danach möchte sie sich der Jury der Universität der Künste erneut stellen – und „richtige“ Studentin werden. Ihr Berufsziel: Orchestermusikerin.

Bis dahin wird die 19-Jährige aber noch oft in den Zug steigen müssen, um an die Spree zu fahren. Auch die Schule wird sie an diesen Tagen vernachlässigen müssen. Macht aber nichts: Im Zug hat sie ja genug Zeit. Wer Maikes Fagottspiel lauschen möchte, kann dies am Wochenende tun. Dann tritt sie in der „Alten Sparkasse“ beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ an. Die Musikschule Ibbenbüren erwartet 174 junge Musiker, die sich in 124 Wertungsspielen der Jury und dem Publikum stellen.

Video: mazzTV
Fagott-Spielerin und Jungstudentin Maike Schieferecke
Autor: Daniel Lüns
Tel: 05451 933 246

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Kommentare (1)

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02.02.2012 14:38 von hwhite:
Ich verstehe nicht, was ich mit hahaped tun muss?

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