
Liebe Deutsche Bahn AG, ...
Der Bahnhof in Ibbenbüren ist keine Zierde: Da sieht es an vielen Stellen nicht sehr schön, nicht sehr hübsch aus. Aber nicht nur optisch ist Kritik angebracht. Auch rein funktional läuft manches nicht: Der Fahrkartenautomat ist vielen Bahnkunden ein Rätsel. Wir haben nach Berlin geschrieben.
Ibbenbüren. Eigentlich fangen die Haupttexte in lokalen Tageszeitungen nicht mit den Worten „Liebe Deutsche Bahn“ an. Heute wollen wir eine Ausnahme machen. Heute schreiben wir – stellvertretend für viele Menschen aus dem Tecklenburger Land, die den Bahnhof Ibbenbüren (den in Laggenbeck übrigens auch) benutzen – einen Brief nach Berlin. Vielleicht hat ein Brief andere Auswirkungen als ein Zeitungs-Bericht. Vielleicht antwortet die Bahn sogar. Versuchen wir’s:
An Deutsche Bahn AG
Potsdamer Platz 2
10785 Berlin Ibbenbüren, 4. 2.2012
Liebe Deutsche Bahn, liebe Manager, lieber Bahnchef Rüdiger Grube,
schon im Jahr 2009 hat die Bundesregierung im Rahmen des Konjunkturpaketes 325 Millionen Euro für die Modernisierung von Bahnhöfen springen lassen. Reden wir nicht drumherum: Ibbenbüren hat nichts abbekommen.
In dieser Woche ist nun zu hören, dass die Deutsche Bahn die Bahnhöfe jetzt schöner, besser und toller machen möchte. Wir haben gelesen, dass in Aufzüge, Rolltreppen, Bahnsteigdächer, Wetterschutzhäuschen und Schriftenanzeiger investiert werden soll. Sie, sehr geehrter Herr Grube, haben angekündigt, 800 Millionen Euro in die Modernisierung stecken zu wollen. Vorrangig soll es dabei um Bahnhöfe mit mehr als 1000 Reisenden pro Tag gehen.
Hier in Ibbenbüren sind pro Tag bestimmt mehr als 1000 Menschen unterwegs. Sie als „Reisende“ zu bezeichnen, fällt uns schwer. Es sind eher Menschen, die froh sind, dass sie den Bahnhof hinter sich haben. „Ibbenbürens Bahnhof ist potthässlich, dunkel und da stinkt es“, hat eine Kollegin gesagt. Sie hat Recht. Weil Sie in Berlin ja nicht wissen können, wo es hakt, haben wir Ihnen hier mal eine Liste gemacht:
Dreckiger Beton und dreckiger roter Klinker, so sieht es von außen aus. Viele Wände sind beschmiert, in allen Pflanzkübeln wuchert Unkraut, überall liegt Müll rum. Vorne links vor das leer stehende Ladenlokal hat ein Betrunkener gekotzt. Hübsch ist das nicht.
Wer in den Bahnhof geht, der braucht Atemschutz: Im Eingangsbereich wird geraucht. Es stinkt ekelig. Auch überall sonst im Bahnhof und an den Gleisen wird geraucht.
Der DB-Service-Store mit Kundenbereich und Laden rechts sieht passabel aus. Gegenüber ist ein leer stehendes Ladenlokal Internet/Telecafé. Es ist wild plakatiert, schmuddelig und trostlos.
Ein Gang, steril gefliest und von 21 grell-hellen Lampen ausgeleuchtet (weil man da sonst echt Angst um sein Leben haben müsste) führt zu den Gleisen. Schaurig . . .
Es gibt keine Aufzüge, Rolli-Fahrer haben hier verloren.
Wer als Tourist mit dem Fahrrad unterwegs ist – davon Herr Grube, gibt es eine ganze Menge hier bei uns – der kommt nur mit größten Mühen auf die Bahnsteige.
Wer schwere Koffer zu schleppen hat, dem geht es genauso.
Es gibt einen einzigen Fahrkartenautomaten. Es gibt oft lange Schlangen davor und natürlich ist das Ding oft kaputt.
Die Wartehäuschen auf den Bahnsteigen sind zwar neu, aber nach drei Seiten offen. Sie bieten keinen Schutz gegen Wind und Wetter. Wer soll da sitzen bei zwei Grad, eisigem Wind und Regenschauern?
Übrigens: Ich müsste mal. Aber an diesem schaurigen Örtchen gibt es nur ein stilles Örtchen. Doch das fügt sich harmonisch ins ekelige Gesamtbild ein.
Lieber Bahnchef Grube, wir freuen uns, wenn Sie von den angekündigten 800 Millionen Euro (und bei den fünf, sechs, sieben oder wie viel auch immer Milliarden für Stuttgart 21 ist bestimmt auch noch was über) vielleicht drei, vier oder fünf Millionen für Ibbenbüren abzwacken können. Damit der Bahnhof endlich schöner wird.
Gerne dürfen Sie die Fotogalerie im Internet anschauen, da können Sie sich ein Bild machen. Am Ende stellen wir Ihnen die Frage: Wann wird es was mit dem Bahnhof? Wir freuen uns auf eine Antwort aus Ihrem Hause und verbleiben
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Ibbenbürener Volkszeitung
UMFRAGE (beendet)

Tel: 05451 933 239
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