
Mit Erotik auf Erfolgskurs
Mettingen. Unternehmerin oder Schriftstellerin, sie hängt da irgendwie dazwischen. Ihr Verlag läuft gut, aber die Buchhaltung wurde ihr schon zu viel. Die hat sie ausgelagert. Schreiben ist ihre Leidenschaft: Simon Rhys Beck – belassen wir es bei diesem männlichen Autorennamen, hinter dem sich eine attraktive 36-jährige Frau verbirgt. Sie ist Ehefrau und Mutter dreier Kinder. Und sie schreibt, verlegt und verkauft – Bücher mit schwulen Akteuren. Viele Bücher ...
Schön ist es da auf dem Lande in Mettingen. Da, wo homo-erotische Literatur herkommt, die in Deutschland, in Österreich und der Schweiz, in England und in Zeiten des Internets auch weltweit verkauft wird. Und zwar mit hohen Auflagen.
Simon Rhys Beck wohnt ländlich edel: Rest-Hof, riesiges Grundstück, die offene Scheune mit Mercedes-Familienkutsche hinterm Haus. Gepflegt. Ledercouch, Rattanmöbel rund um einen wuchtigen Esstisch: So sieht das Büro beim „dead-soft-Verlag“ aus. „Ich habe noch ein Lager im Keller, Tausende Bücher, etwas durcheinander“, sagt die Chefin.
Die Geschichte ihres Verlages ist auch ihre Geschichte als Autorin. Bereits als junge Frau denkt sie sich viel aus: „Ich hab schon in der Schulzeit und später im Studium unendlich viel geschrieben.“ Ein Kuli, Zettel, Blocks, Hefte – Fantasie bricht sich Bahn. Kurzgeschichten, Alltagsgeschichten, Gedichte und was über die Kult-Songs ihrer Jugend: „Manchmal waren die Musiker von Depeche Mode die Helden. Die habe ich einfach schwul gemacht.“
Dabei ist es geblieben, auch wenn es jetzt mit zehn Fingern in die Computertastatur gehackt wird: Ihr erster Roman ist 1998 fertig. Er handelt von einem – natürlich – schwulen Vampir. „Es war echt nicht leicht, dafür einen Verleger zu finden.“ Und weil sie die „Nein-Danke-Formschreiben“ satthatte, wurde ein Kopierer gemietet. Ein Termin im Rathaus, ein Gewerbe angemeldet und fertig war die Firma: „alter-ego-Verlag“.
Ab da bringt Simon Rhys Beck ihre Romane für Geld an den Kunden. „Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich am Kopierer gestanden habe ...“, denkt sie zurück an Zeiten, in denen ein Buch noch zehn Mark gekostet hat. Ihr Einsatz lohnt sich: Sie macht Werbung in einschlägigen Magazinen und Zeitschriften – und per Post trudeln Briefe und Karten ein. Bestellungen – was sie schreibt, kommt an.
„Das sind keine dicken Wälzer, sondern ganz normale Romane. Es sind Themen aus den Bereichen Fantasy, Mittelalter, Coming-out, Krimi, Dämonen, Alltag, romantische Geschichten, einfach alles“, sagt die Autorin. Nur zwei Sachen sind immer gleich: Die Helden sind homosexuell und am Ende ist immer alles gut. „Geschichten ohne Happy End haben bei mir keine Chance.“
32 Autoren schreiben heute für den Verlag, der inzwischen unter „dead-soft“ (aus dem englischen für „unglaublich weich“) firmiert. Motto: „Bücher für die andere Seite.“ Inzwischen eine bekannte Größe in der Szene: „Davon kann ich leben“, sagt Simon Rhys Beck.
Hergestellt werden die literarischen Werke in drei verschiedenen Druckereien, eine davon in Polen. Titel wie „Brautraub“, „Feurige Offenbarung“, „Komm in das Labyrinth der Liebe“ oder „Sündhafte Küsse“ hören sich ein bisschen nach Groschenroman an, sind reine Unterhaltungsliteratur – und überschreiten inhaltlich nicht die Grenzen zwischen Erotik und Pornografie. Vielleicht ein Grund dafür, dass 80 Prozent aller Kunden ganz normale Frauen sind.
Konkurrenz, die gibt es auch. Die Anzahl der Verlage, die in Deutschland homo-erotische Literatur publiziert, kann man aber an einer Hand abzählen.
Simon Rhys Beck, die Verlegerin und Unternehmerin, sie setzt voll auf die Zukunft: „Der Verlag soll künftig wachsen. Gay-Romane sind im Trend. Und der kommt gerade erst nach Deutschland.“
Sie hat noch viele Geschichten zu schreiben. Und da ist noch viel Marktpotenzial für den Verlag aus Mettingen.
Simon Rhys Beck (geb. 1975 in Lengerich) beschäftigt als Inhaberin des Mettinger Verlags „dead-soft“ 32 Autoren (70 Prozent davon Frauen). Die Schriftsteller sind zwischen 16 und 60 Jahre alt. Verlegt wird ausschließlich homo-erotische Literatur, fiktionale erotische Romane. Derzeit sind etwa 100 Titel im Angebot. Die Werke werden in DIN-A5-Format gedruckt und haben meist normale Romanlänge. Der „dead-soft-Verlag“ verkauft nach Angaben der Verlegerin jährlich etliche Tausend Bücher, vornehmlich im deutschsprachigen Raum, aber auch international. Alle Bücher sind über den Großhandel in jedem normalen Buchladen zu kaufen, alle Titel haben ISBN-Nummern. Ein gedrucktes Paperback-Buch kostet zwischen 13 und 14 Euro, auch E-Books zum Preis von etwa sieben Euro sind im Angebot. 80 Prozent der Kunden sind Frauen, nur 20 Prozent sind Männer.

Tel: 05451 933 239
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Kommentare (1)
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Stimmt das etwa doch, was früher immer gesagt wurde: "Mettingen, das sündige Dorf hinter´m Berge" ???
;-)