Ibbenbüren
Seit 50 Jahren im Kirchendienst
31.01.2012

Pastor Erich Bordewick feiert sein goldenes Priesterjubiläum

Seit 50 Jahren ist er im Kirchendienst: Pastor Erich Bordewick. Am Sonntag feiert er sein goldenes Priesterjubiläum. Heute wohnt er auf Rente zusammen mit einer Kollegin in einem Häuschen am Grenzacker. Die Erinnerungen an sein Leben sind vielfältig.

Ibbenbüren. Seine Familiengeschichte, die kann er über einige Jahrhunderte zurückverfolgen. Viele Bauern waren dabei, er selbst ist Arbeiterkind: Der Vater von Erich Bordewick malochte in der Textilfabrik, Mutter war Hausfrau. Zwei Brüder, zwei Schwestern. Borghorst – da ist nichts mit Kohle. Aber, wie das Leben so spielt: Die Städte, in denen Menschen das schwarze Gold aus dem Boden wühlen, sie prägen den Kirchenmann. Duisburg, Dorsten, Ibbenbüren – allesamt Kohlestädte ... Städte, in denen Menschen wichtig sind. Genau richtig für Erich Bordewick. „Kontakte zu Menschen, die sind mir wichtig“, sagt der 76-Jährige.

Heute wohnt der Pastor auf Rente zusammen mit einer Kollegin in einem Häuschen am Grenzacker. Die Erinnerungen an sein Leben sind vielfältig, reichen eher für ein Buch, als in einen Zeitungsartikel zu passen. Versuchen wir es trotzdem.

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Die Kindheit eines Mannes Jahrgang 1936, sie war kein Zuckerschlecken. „Wir waren einfache Leute, es gab sehr viele Kinder, wir waren immer draußen.“ Und natürlich ging man damals um 7.15 Uhr in die Schulmesse. Volksschule, Mittelschule und ein Kaplan, der ein waches Auge auf den Jungen hat: „Du musst Latein lernen!“ Hat er gemacht. Der Arbeitersohn geht aufs Paulinum nach Münster, wohnt im bischöflichen Internat: „Ich hatte ein Einzelzimmer, es gab eine richtige Clique, ich habe mich rundum wohlgefühlt.“ 1956 hat er sein Abi in der Tasche.

Zeit, sich Gedanken über das Leben zu machen. Zeit, Vorbildern nachzueifern. Erich Bordewick hat welche: Katholische Priester. Sie haben damals in der Jugendarbeit bewundernswerte Leistungen erbracht. Der Jungschargruppenführer will dem nacheifern – und tritt ein ins münstersche Borromäum, den Theologenkonvikt für Priesteramtskandidaten. Sechs Jahre und ein Studium später ist er fertig: Der 2. Februar 1962 ist ein wolkenverhangener Tag in Münster. Für die Familie Bordewick ist es ein doppelter Freudentag: Erich wird im Dom zu Münster zum Priester geweiht. Und auch sein Bruder Werner erhält die Priesterweihe.

„Wir sind nie gefragt worden, wo wir hin wollten, wir wurden immer geschickt“, erinnert sich Bordewick. Es kam ein Brief, er musste nach Ahlen, es kam ein Brief, er musste nach Duisburg. An der Berufsschule in Homberg arbeitete er als Religionslehrer: „Mit dem Studium konnte ich da nichts anfangen. Aber ich habe zwei Dinge gelernt: Erstens, hinhören und zweitens, mich einfach auszudrücken. Es war die beste Lehrzeit, die ich je hatte.“

Die „gute Zeit“, die Jahre im Ruhrpott, sie zaubern auch heute noch ein Lächeln auf sein Gesicht: „Mittags musste man in Duisburg-Ruhrort mit Licht fahren, so dunstig war das.“ 1971 war Schluss. Als Kaplan kam er nach Marl, ein Jahr später ging’s nach Dorsten. 30 Jahre hat er in der dortigen St.-Josef-Gemeinde als Priester und als Lehrer an der Hauptschule gedient. „Mit dieser Stadt, mit den Menschen bin ich verwachsen“, sagt Bordewick. Er wohnte in der Zechensiedlung in Hervest-Dorsten. Kohle – mittendrin. „Die Schließung der Zeche habe ich miterlebt. Davor habe ich richtig Bammel, wenn das hier auch losgeht.“

Hier, das ist seine heutige Heimat in der Noch-Kohlestadt Ibbenbüren. 2002 kam er her, gehört seitdem zum Seelsorgeteam Ss. Mauritius-Maria Magdalena. Seit Februar 2011 ist er „auf Rente“, hilft aber gerne und bei vielen Gelegenheiten aus. „Man nimmt Rücksicht auf mich als Emeritierten“, sagt Bordewick. So bleibt dem Mann, der die Welt nie bereisen wollte, der mit Angelurlaub in Norwegen, Wandern in der Bergen oder der Ferienfreizeit auf Ameland immer zufrieden war, noch Zeit für die kleinen Hobbys: Lesen und Computer. Ja, den ersten Rechner hat er sich damals zugelegt, als er 60 wurde. Kontakte halten zu Menschen, dazu nutzt der Pastor den PC. Schickt Mails. Surft im Internet. Und sendet SMS ... Einen Herzenswunsch für die Zukunft? Ja, den gibt es: Gesundheit. Wir drücken die Daumen!

In St. Mauritius wird das goldene Priesterjubiläum von Pastor Erich Bordewick am Sonntag, 5. Februar, ab 11 Uhr gefeiert. Anschließend findet ein Empfang im Pfarrheim mit Mittagessen statt. „Jeder ist gern gesehen“, sagt der Jubilar.

henbild
Autor: Peter Henrichmann-Roock
Tel: 05451 933 239

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