
Paul Weyers im Dauereinsatz für sauberen Bahnhof
Paul Weyers ist die gute Seele des Ibbenbürener Bahnhofs: Unermüdlich ist er im Einsatz und kümmert sich darum, dass dieser nicht zur Mülldeponie verkommt. Jeden Tag reißt er dafür freiwillig bis zu 14 Stunden ab.
Ibbenbüren. Sie tätschelt ihm aufmunternd die breiten Schultern, klopft auf seine orange Malocher-Warnweste: „Der Paul ist die Seele vom Bahnhof. Auf ihn kann man sich 100-prozentig verlassen!“, sagt Birgit Beckmann. Sie muss es wissen. Sie arbeitet da im Kiosk: „Wir sind echt stolz auf ihn.“ Paul Weyers lächelt. Das Lob hat er verdient.
Ohne den 50-Jährigen, ohne den unermüdlichen Malocher aus dem Team des Bau- und Servicebetriebs (Bibb), sähe es ganz anders aus am DB-Einfallstor zur Stadt: „Ohne Paul wäre das hier eine Mülldeponie“, sagt Werner Dirkes. Der Chef vom Bauhof hat Weyers unter seine Fittiche genommen. Die beiden können gut miteinander, sprechen dieselbe Sprache. Und auch Werner Dirkes ist sehr stolz auf den Mann, der jeden Tag bis zu 14 Stunden am Bahnhof abreißt. Der freiwillig das Zigfache dessen leistet, was sein 400-Euro-Job mit schlappen 1,3 Tagesstunden offiziell abdeckt.
„Ich kann das nicht sehen, dass der Bahnhof so runterkommt. Das fällt doch auf Ibbenbüren zurück“, sagt Weyers. Er klaubt eine Brötchentüte auf, die jemand achtlos weggeworfen hat. Wieder mal neben einen der vielen Papierkörbe ...
Der Mann mit der orangen Weste und den unvermeidlich dreckigen Händen, er kennt „seinen“ Bahnhof seit Mitte 2009. Kümmert sich um die Radstation, um Verleih und Ausgabe. Und natürlich erledigt er auch kleine Fahrradreparaturen. Zusätzlich räumt Paul Weyers klaglos den Dreck weg, den seine Mitmenschen jeden Tag aufs Neue machen: Zigarettenkippen, Papiertüten, Bierdosen, Weinpullen, Obstreste, Verpackungen, Taschentücher, Glasscherben – es gibt fast nichts, was die Menschen nicht achtlos auf den Boden werfen. „Die stehen einen halben Meter neben dem Mülleimer und werfen ihren Dreck trotzdem nicht da rein.“ Er versteht das nicht.
Und so fegt er tapfer dagegen an, schrubbt die Rotweinflecken aus der Eingangshalle, saugt mit einem selbst gebastelten Mülleimer-Schnorchel die Kippen auf. „Der Bahnhof ist ja so was wie meine zweite Heimat“, sagt Weyers. Er verbringt viel von seinem Leben zwischen Gleisen, Eingangshalle und Busbahnhof. Einfach ist das beileibe nicht: Denn die Leute, die ihren Dreck wegwerfen, benehmen sich Menschen gegenüber kaum besser. „Ich werde oft blöd angemacht und angepöbelt. Es gibt echt viele, die sich hier am Bahnhof daneben benehmen.“ Aber Paul Weyers kann das, muss das abkönnen: „Klar ärgere ich mich über solche Leute. Ab da muss ich ruhig bleiben und die Hände in den Taschen lassen.“
Manchmal braucht er Hilfe: Am vergangenen Freitag machte eine Gruppe von zehn Jugendlichen abends Party in der Eingangshalle. Paul Weyers wollte um 20.30 Uhr abschließen. Er wurde übel beschimpft und mit einer Flasche beworfen. Da hat er kurzerhand die Polizei gerufen. Und ganz zackig war die: Vier Beamte in Uniform – und dann war Aufräumen unter Polizeiaufsicht angesagt. Apropos aufräumen: Es kommt täglich einiges zusammen. Zehn bis zwölf große Säcke mit Müll. Pfand-Dosen und Pfand-Flaschen nicht mitgerechtet. 15 Euro pro Woche, ein karges Zubrot.
Der Bahnhof, für den schlägt ohne Zweifel das Herz von Paul Weyers. Für die Bahn hingegen nicht: „Die machen hier fast nie sauber.“ Und sonst machen die auch recht wenig, findet er: Rollstuhlfahrer auf die Gleise transportieren, das macht Weyers. Im Winter streuen und Schnee fegen, das macht er auch.
Sein 1,3-Stunden-Vertrag am Bauhof, der läuft noch bis Mai des Jahres 2013. Und danach: „Ich hoffe, dass es weitergeht!“ Paul Weyers wünscht sich das. Damit er auch weiterhin morgens um sechs kommen und abends um 20.30 Uhr den Schlüssel rumdrehen kann. „Der Paul ist die Seele vom Bahnhof.“ – und die Birgit aus dem Kiosk hat völlig Recht ...

Tel: 05451 933 239
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Kommentare (1)
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es ist schon sehr verwunderlich wie die Stadt Ibbenbüren einen 400 Euro Jobber ausnutzt. Sein Cheff nimmt seine Fürsorgepflicht auch nicht besonders ernst.
In einer Firma mit Betriebsrat hätte er vermutlich schon längst eine ernste Unterhaltung über die Ausnutzung seines Mitarbeiters vor sich. Es kann doch wohl nicht sein, dass die Stadt einen Mitarbeiter so hoch lobt und dann so schlecht bezahlt.
Paul Weyers tut mir echt leid.