
Spektakuläre Entdeckung gibt tiefen Einblick ins Mittelalter
Für die regionale Geschichtsschreibung ist der 17. September 2011 ein bedeutendes Datum. Denn an diesem Tag haben Dr. Wieland Wienkämper und Ralf Baalmann Am Sundern in Westerbeck eine spannende Entdeckung gemacht.
Westerkappeln. Der 17. September 2011 wird nicht in die Westerkappelner Geschichte eingehen. Für die regionale Geschichtsschreibung ist es aber ein bedeutendes Datum. Denn an diesem Tag haben Dr. Wieland Wienkämper und Ralf Baalmann Am Sundern in Westerbeck eine Entdeckung gemacht, die Wissenschaftlern einen tiefen Einblick in die Vergangenheit gewährt. Unter der Erde verborgen schlummerten die Reste einer mittelalterlichen Siedlung – „ein ungewöhnlicher Fund“, wie Michael Esmyol vom Amt LWL-Archäologie für Westfalen attestiert.
Und ein gutes Beispiel dafür, wie der Zufall der Forschung weiterhilft. Wieland Wienkämper ist selbst Archäologe. Am 17. September macht er mit Ralf Baalmann eine Radtour. Dabei kommt ihm die Idee, einen Abstecher zur Tongrube Am Sundern zu machen, um seinem Freund Erdschichten zu zeigen. „Der Boden ist wie ein Archiv“, sagt Wienkämper. „Veränderungen bleiben über Jahrtausende sichtbar.“ Spuren menschlicher Eingriffe erwarten die beiden indes nicht.
Doch plötzlich sticht Wienkämper an der Abbruchkante eine Keramikscherbe ins Auge, die sich als Überrest eines Kugeltopfes entpuppen sollte, wie er im Mittelalter gebräuchlich war. Auch unnatürliche Verfärbungen sind – für den Fachmann – zu sehen. „Der Wieland ist ganz nervös geworden“, erinnert sich Baalmann. Wienkämper erkennt die Tragweite des unscheinbaren Fundes sofort. Sein Freund, der mit Archäologie bis dahin wenig am Hut hatte, eilt nach Hause zum Brennesch und holt seinen Fotoapparat. Noch am gleichen Wochenende schreibt Wienkämper einen Bericht dazu und schickt das Ganze an die Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Bereits am darauf folgenden Mittwoch rücken zwei Experten an, um sich das Geländeprofil näher anzuschauen. Volltreffer?! Schon die ersten sogenannten Suchschnitte mit dem Bagger zeigen, dass umfangreiche Ausgrabungen lohnen. „Da war alles rappelvoll mit Verfärbungen. Am nächsten Tag waren wir schon mit fünf Leuten hier“, berichtet Grabungsleiter Esmyol.
Zweifelsohne sind die Hinterlassenschaften mittelalterlichen Ursprungs. „Das erkennt man an der Keramik und an den Bodenverfärbungen. Die sind dunkler als ältere Eingriffe, wie sie beispielsweise auf dem Gräberfeld am Brennesch freigelegt wurden“, erläutert der Experte. Die „Flecken“ stammen von Häuserpfosten. Das Holz ist längst verrottet.
Die Ausgrabung Am Sundern wurde lange vor der Öffentlichkeit geheim gehalten, um unerwünschte Besucher oder gar Schatzräuber fernzuhalten. Wobei Letztgenannte sowieso nichts finden würden. „Hier gibt es keine Schätze. Hier lebten arme Leute“, ist Esmyol überzeugt.
Jetzt steht die Ausgrabung auf dem rund 2000 Quadratmeter großen Gelände, bei der zwischenzeitlich auch Schüler halfen, vor dem Abschluss. Die Archäologen präsentieren Ergebnisse.
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Dort, wo die Mettinger Spedition Teepe Ton für die Klinkerproduktion abbaut, standen im 11. oder 12. Jahrhundert mehrere Häuser. Eine genauere Datierung erhoffen sich die Wissenschaftler von einer Radiokohlenstoffbestimmung – auch C14-Methode genannt.
Michael Esmyol schaut aus einem rechteckigen Loch nach oben. „Hier stand einmal ein Grubenhaus“, erläutert er. Das war ein etwa vier mal fünf Meter großes, unterkellertes Gebäude, das als Arbeits- und Lagerraum diente. Auch weitere Nebenhäuser sind nachgewiesen. Wo das vermutete Wohn- und Stallhaus stand, die in damaliger Zeit stattliche Ausmaße hatten, ist indes noch unklar. „Wir haben mehrere Pfostenreihen gefunden“, sagt Esmyol.
Aufklärung könnte eine weitere Ausgrabung nach Osten bringen. Mögliche Siedlungsreste in westlicher Richtung sind dagegen durch die Tonabgrabung unwiederbringlich zerstört. Esmyol macht der Firma Teepe aber keinen Vorwurf daraus. Denn selbst, wenn dort etwas gewesen wäre, hätte es ein Laie nie erkennen können. Die Archäologen sind dem Mettinger Unternehmen sogar sehr dankbar. „Die haben uns geholfen, wo sie konnten“, betont Esmyol.
Ralf Baalmann hat das Forscherfieber seit dem 17. September nicht mehr losgelassen. Er schweift ständig über das Ausgrabungsgelände und hält alles mit seiner Kamera für die Geschichtswerkstatt im Bilde fest. Die zahlreichen Funde werden derweil bei der LWL-Archäologie in Münster konserviert, dokumentiert und eingelagert. Die endgültige Auswertung kann noch Jahre dauern.
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