Fangschaltung führte zum Telefonanschluss
Coesfeld. Einige prekäre Details verriet Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer gestern unserer Zeitung zum Fall der beurlaubten Pädagogin vom St.-Pius-Gymnasium, der obszöne Telefonanrufe und Klassenbuch-Eintragungen zur Last gelegt werden (wir berichteten). „Es ist teilweise unglaublich, was da gesagt und geschrieben worden ist“, erklärte der Oberstaatsanwalt. Die Ausdrücke seien teilweise extrem vulgär und pornografisch. „Ersparen Sie es mir, Details zu nennen“, bat Schweer.

Nach seinem gestrigen Ermittlungsstand zeichnete sich ab, dass sich die Aktionen offenbar gegen eine andere Pädagogin am Pius-Gymnasium gerichtet hatten. Zum Motiv und möglichen Hintergründen konnte Schweer auch gestern noch nichts sagen. Die beschuldigte Lehrerin war nach dem Bekanntwerden der Vorfälle von Mitte Oktober sofort vom Unterricht freigestellt worden. Schweer: „Sie hat einen Anwalt eingeschaltet und streitet alles ab.“ Das gelte auch für den Vorwurf, dass sie von ihrem Telefon zu Hause aus mit „verstellter, flüsternder Stimme“ Schüler, Eltern und Kollegen mit obszönen Aussagen belästigt habe.


Dass die Anrufe von ihrem Telefon aus kamen, stehe laut Schweer inzwischen fest. „Eine mehrfach belästigte Familie hatte bei ihrem Telefonanbieter eine Fangschaltung in Auftrag gegeben, die zum Anschluss der Lehrerin führte“, so Schweer wörtlich. Bei einer zweiten Fangschaltung durch die Ermittlungsbehörden hatte sich der Hinweis bestätigt. Die Beschuldigte habe zwar geäußert, ihr nicht bekannte Personen hätten keinen Zugang zu ihrem Apparat. Sie streite aber gleichwohl vehement ab, die Anrufe selber gemacht zu haben.

Die Pädagogin hatte ihre Stelle am Pius-Gymnasium erst mit Beginn dieses Schuljahres angetreten. Nach ihrer Zwangsbeurlaubung erklärten die Pädagogen den betroffenen Kindern, dass man nun wieder vertrauensvoll miteinander umgehen könne, so wie das bis zum letzten Schuljahr der Fall gewesen sei.

Nachdem die Vorfälle durch die Berichterstattung in unserer Zeitung bekannt geworden waren, kritisierten einige Eltern, vorher nicht direkt durch die Schulleitung informiert worden zu sein.


31 · 10 · 08



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