Ein Nickerchen in der Schule wird gerne gesehen

Japan trifft Deutschland: Auf Einladung der Robert-Bosch-Stiftung kamen zehn Jugendlichen aus ganz Deutschland in den Genuss eines Vollstipendiums im Land des Lächelns.Fotos:
Japan trifft Deutschland: Auf Einladung der Robert-Bosch-Stiftung kamen zehn Jugendlichen aus ganz Deutschland in den Genuss eines Vollstipendiums im Land des Lächelns.Fotos:
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Greven - Sushi, Manga Samurai, Tokio, Tempel, Kampfsport und die kleinen lächelnden Japaner vor jeder Sehenswürdigkeit sind die Dinge, die man mit dem Land des Lächelns verbindet. Doch wie ist es wirklich in Japan? Wie ist das Leben in dem lange abgeschotteten Inselstaat und der drittgrößten Industrienation der Welt?

Die Robert-Bosch-Stiftung hat in Kooperation mit YFU im Oktober zehn Jugendlichen aus ganz Deutschland mit Hilfe eines Vollstipendiums die Möglichkeit geboten, diese Fragen beantwortet zu bekommen.


Ich, Lukas Funke, 17 Jahre alt, war einer dieser zehn Jugendlichen. Gleich am ersten Tag wurden die riesigen Gegensätze des Landes deutlich. Vom hochmodernen Flughafen aus ging es mit dem Bus durch die größte Metropolregion der Welt.

Wir fuhren über mehrstöckige Autobahnen vorbei an 30-stöckigen Häusern, um schließlich in unserer Jugendherberge, die im 19. Stock lag, anzukommen. Am selben Abend jedoch waren wir bei einem buddhistischen Lichterfest, wo eine gemütliche Atmosphäre herrschte. Kleine Schreine, Essstände, die durch das Fernsehen bekannten Papierlaternen und ausgelassene Japaner trafen sich zu einer geselligen Feier in entspannter Atmosphäre, die genauso in einem kleinem Dorf hätte stattfinden können.

Trotz der Dimensionen und den unvorstellbaren Menschenmassen: Drängeln, Meckern, Beschwerden - all das gab es nicht. In Japan geht alles überaus geordnet, zivilisiert und friedlich über die Bühne. Und: Ausnahmslos alle Japaner, die wir getroffen haben, waren überaus hilfsbereit und höflich. So hat zum Beispiel ein uns entgegenkommender Japaner ohne zu zögern Kehrt gemacht, um zehn Minuten in die für ihn falsche Richtung zu gehen und uns zu helfen.

Trotz eines Ballungsraumes von 34 Millionen Menschen sind Ausländer eher eine Seltenheit. Überall wurden wir sehr freundlich, interessiert und offen aufgenommen.

Zeit für einen Jetlag gab es nicht, denn wir hatten sofort ein straffes Programm mit vielen interessanten Vorträgen. Und natürlich Sightseeing.

Der japanische Arbeitsmarkt und das Schulsystem waren zwei Themen an der Waseda-Universität, die uns während des Aufenthaltes erläutert wurden. Es gibt in Japan nur ein Schulsystem mit dem klaren Ziel der Aufnahmeprüfung an der Universität. Alles ist auf diesen Test ausgerichtet, so dass sogar ein spezielles Englisch unterrichtet wird, mit dem die Schüler nach sechs Jahren Unterricht zwar noch nicht mit mir sprechen konnten, aber den Anforderungen des Aufnahmetests gewachsen sind.

Der Unterricht besteht in Japan aus einem Monolog der Lehrer: keine Fragen an die Klasse, geschweige denn Diskussionen oder Gruppenarbeit. Die Schüler sitzen ohne ein Wort zu sagen an ihren Einzeltischen, hören zu, schreiben mit, oder schlafen. Schlafen ist immer und überall möglich und auch gesellschaftlich akzeptiert. Die fein herausgeputzten Businessfrauen und Männer, die in der U-Bahn schlafen, sind keine Seltenheit. Bei einem Arbeitstag, der inklusive einer durchschnittlichen Fahrzeit von über einer Stunde von morgens acht bis abends acht geht, ist dies durchaus verständlich.

Urlaub hat der japanische Arbeitnehmer 13 Tage im Jahr, wobei er nie komplett in Anspruch genommen wird. Bei Krankheit wird Urlaub genommen und Feiertage, die auf einen Wochentag fallen, werden am Wochenende nachgearbeitet. Bezahlt wird nach dem so genannten Senioritätsprinzip. Dabei wird zu Beginn sehr wenig verdient, nachher jedoch, mit Kindern und eigener Wohnung, sehr viel, da diese Dinge übermäßig teuer sind. Die Vorträge haben mir gezeigt, wie wenig wir über das Land im fernen Osten wissen. Von Religion über den Lebensstil, Erdbebentests, Umgangsformen und den berühmten Toilettenschlappen bis hin zum Leben der Studenten, heißen Quellen und Essgewohnheiten ist es faszinierend anders und eine einmalige Kultur.


10 · 12 · 09



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