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Kölner auf Käferfang in Hopsten

Käfer sind die Welt von Thomas Hörren. Der 20-Jährige aus Köln absolvierte in den vergangenen Wochen ein Praktikum beim Westfälischen Museum für Naturkunde Außenstelle „Heiliges Meer“. Das Bild auf seinem Laptop zeigt ein Mitglied seiner Lieblingskäferfamilie, der Cholevidae (Nestkäfer). In der Hand hält er ein bereits präpariertes Käferexemplar.
Käfer sind die Welt von Thomas Hörren. Der 20-Jährige aus Köln absolvierte in den vergangenen Wochen ein Praktikum beim Westfälischen Museum für Naturkunde Außenstelle „Heiliges Meer“. Das Bild auf seinem Laptop zeigt ein Mitglied seiner Lieblingskäferfamilie, der Cholevidae (Nestkäfer). In der Hand hält er ein bereits präpariertes Käferexemplar.
(Fotos: Antje Raecke)


Hopsten. Ein bisschen erinnert Thomas Hörren an einen Goldgräber. Mit Sieb, Klopfschirm und Kescher bewaffnet zieht er los, begutachtet mit fachmännischem Blick seine Umgebung, um dann völlig unvermittelt den Weg zu verlassen und ins Unterholz zu laufen. Dort kommen seine Gegenstände zum Einsatz. Kleine Ladungen Moos und Boden landen im Sieb, werden ordentlich durchgeschüttelt. Übrig bleiben - anders als bei den Goldsuchern - keine kleinen gelben Nuggets, sondern Käfer. Manchmal so klein, dass sie sich wirklich nur dem Auge des Experten zu erkennen geben.

Auf dem Weg, ein solcher zu werden, ist der 20-jährige Kölner. In den vergangenen Wochen hat er ein Praktikum beim Westfälischen Museum für Naturkunde Außenstelle „Heiliges Meer“ absolviert und sich dabei ganz besonders auf Suche und Bestimmung der Käferarten im Gebiet konzentriert. Auch wenn das aufgrund der Witterung viel Arbeit bedeutet. „Eine Spitzhacke haben wir kaputt gekriegt“, erinnert sich Hörren und schmunzelt. Doch bei nur acht Tagen ohne geschlossene Schneedecke sei die Suche buchstäblich hart und nicht immer ein Vergnügen gewesen. Seine Motivation: „Richtig intensive Untersuchungen zur Winterzeit gibt es kaum.“



Gefunden, bestimmt, aufgespießt: Dieses Schicksal ereilte auch den Carabus purpurascens, den größten Laufkäfer im Gebiet des Heiligen Meeres.
Gefunden, bestimmt, aufgespießt: Dieses Schicksal ereilte auch den Carabus purpurascens, den größten Laufkäfer im Gebiet des Heiligen Meeres.
(Fotos: Antje Raecke)


Das Naturschutzgebiet zwischen Hopsten und Recke ist für den jungen Koleopterologen (Käferforscher) besonders wegen der vielen extremen Lebensräume für „seine“ Insekten interessant. In Heide, Niedermoor, Erlenbruchwald, Wiesen sowie in und an den Gewässern tummeln sich auch in den kältesten Monaten des Jahres viele Käfer. 138 verschiedene hat der Kölner bereits ausfindig gemacht, darunter auch 17 Arten, von denen noch nicht bekannt war, dass es sie im Naturschutzgebiet überhaupt gibt. Obwohl das Gebiet seit den 1920er Jahren untersucht wird. Eine große Überraschung für Thomas Hörren, auch wenn die Käfer selber nur wenige Millimeter groß sind. Gänzlich unbekannte Krabbeltierchen zu finden, sei jedoch so gut wie ausgeschlossen.


Lokalvideo auf mazzTV.de: Kölner erforscht Käferarten im Heiligen Meer.
Lokalvideo auf mazzTV.de: Kölner erforscht Käferarten im Heiligen Meer.


Kreuzt ein Käfer den Weg von Hörren, dann hat er zwei Möglichkeiten: Entweder hat er Glück und ist auf den ersten Blick eindeutig identifizierbar. Dann wird seine Existenz nur auf dem Papier oder dem Diktiergerät festgehalten. Ist aber ein genauerer Blick nötig, ist das sein Todesurteil. Unter dem Mikroskop wird der Käfer zerlegt, um ihn näher bestimmen zu können. Das sei schon deshalb notwendig, da sich viele Arten rein optisch sehr ähnlich seien, sich aber durch innere Strukturen unterscheiden.

Ihre Faszination üben die Käfer bereits seit der Jugend auf Thomas Hörren aus. Inzwischen ist er Faunistikmitarbeiter in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften westfälischer und rheinischer Koleopterologen und möchte sein Hobby später auf jeden Fall zum Beruf machen. Egal, wie ein Tier aussehe, wie klein oder groß es sei oder welchen Lebensraum es bevorzugt: „Bei der Morphologie des Käfers hat alles einen Sinn.“ Doch er gibt auch zu, dass es eines großen Faibles für diesen Zweig der Biologie bedürfe, um sich so tief in Materie und Boden einzugraben. Außenstehende täten sich oftmals schwer, seine Begeisterung nachzuvollziehen. Stören tut das den angehenden biologisch-technischen Assistenten (BTA) nicht im Geringsten: „Ich habe immer eine Box dabei. Falls mal etwas Ungewöhnliches entlang gekrabbelt kommt.“

Mehr Informationen unter: www.kerbtier.de oder www.koleopterologie.de.

VON ANTJE RAECKE, IBBENBÜREN

23 · 02 · 10



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