MODERNE SCHATZSUCHE_
Mettinger im Geocaching-Fieber
Mettingen. Jörn Wulfekammer ist stolz. Hält er doch seinen ersten „Travel Bug“ in den Händen. Dahinter verbirgt sich ein Metallanhänger mit einem Käfer und einer eingestanzten Nummer. Er sieht ein wenig so aus wie die Marken, die Soldaten zur Identifikation um den Hals tragen. Geborgen hat Wulfekammer seinen „Travel Bug“, was so viel heißt wie „Reisewanze“, auf einer Skipiste in St. Anton am Arlberg. Der 39-jährige Mettinger hat sich vom Geocaching-Fieber anstecken lassen.

Der Anhänger und das dazugehörige Figürchen haben 2008 in London ihre Reise um die Welt gestartet. Ein Stopp führte sie jetzt auf die verschneiten Hänge Tirols. Wie es sich für einen guten Geocacher gehört, nahm Jörn Wulfekammer nicht einfach den Inhalt der gefundenen Dose an sich, sondern tauschte ihn gegen zwei kleine Tüten mit Gummibärchen. „Reisewanze“ und Figürchen indes machten sich mit ihm auf den Heimweg nach Mettingen.



Geocaching? Was ist das?

Hinter Geocaching verbirgt sich eine sehr moderne Art der Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Die „Schätze“ werden an beliebigen Orten auf der ganzen Welt versteckt. Die Koordinaten der Verstecke sind dann im Internet auf speziellen Seiten nachzulesen und es gilt dann, sie mithilfe eines GPS-Empfängers zu finden.

In der Regel ist ein Geocache ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein kleines Logbuch und Tauschgegenstände befinden.

Jeder Finder trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Die Gegenstände in der Box können gegen andere ausgetauscht werden. Der Cache wird dann wieder dort versteckt, wo er auch gefunden wurde. Zudem wird der Fund online festgehalten, eventuell mit Fotos oder einigen Tipps für weitere Sucher.

Den ersten Cache brachte im Mai 2000 der Amerikaner Dave Ilmer in Portland in Umlauf. Er vergrub damals einen Plastikeimer, in dem er neben CDs, einer Videokassette, Geldscheinen, einem Buch und einer Steinschleuder auch eine Konservendose mit Bohnen hinterlegte.

Angefangen hat die Begeisterung für die moderne Schatzsuche mit Internet und GPS-Empfänger bei Wulfekammer vor etwa zwei Jahren. „Eigentlich hat es mit der Nachfrage nach Navigationsgeräten für Fahrräder angefangen“, erinnert sich der Inhaber des Grünen Marktes, wo unter anderem auch Zweiräder den Besitzer wechseln. Inzwischen jedoch werden die Geräte nicht nur für die Routenplanung benutzt und nachgefragt: „50 Prozent der Interessenten kommen, weil sie Geocaching machen wollen.“

Wulfekammer hat sich in das Thema eingearbeitet, spezielle Fortbildungen besucht, Feuer gefangen und gibt nun seine Begeisterung gerne an Kunden und Interessierte weiter. Die kommen von immer weiter her zu ihm. Denn der Mettinger hat es als einer der wenigen, eher kleinen Händler, auf die offizielle Seite des Geräteherstellers geschafft.

Auch die Gemeinde Mettingen gehört inzwischen zum Kundenstamm. Zwei Geräte wurden jetzt für die Touristinformation angeschafft und auch schon ausgeliehen.

„Für einen Kindergeburtstag war Geocaching geplant“, berichtet Annette Nagelmann-Knuf. Auf die Idee, das Angebot der Gemeinde um genau diesen Punkt zu erweitern, sei sie aufgrund eines Beitrags im Fernsehen gekommen.

Beworben habe das Büro diese Neuigkeit noch nicht: „Wir müssen uns auch erst in diese Materie einarbeiten.“ Für sie stehe aber bereits fest, dass die zwei Geräte und die Möglichkeiten, die sich Gästen mit ihnen bieten, eine Bereicherung sein werden. Die Geräte können tageweise oder über das Wochenende ausgeliehen werden. Ob sie dann als Navigationssystem, Wanderführer oder Schatzsucher gebraucht werden, bliebe jedem selbst überlassen.

„Ich habe damit sogar schon Flugrouten aufgezeichnet“, berichtet Jörn Wulfekammer noch ganz fasziniert. Außerdem kann der kleine Computer in seinen Händen die Tageskilometer speichern und anzeigen, ebenso wie die Zeit in Bewegung, die Höchstgeschwindigkeit oder die absolvierten Höhenmeter. Bei der GPS-gesteuerten Schatzsuche sind die Angaben auf zehn Meter genau. Ein Unterschied zum Navigationsgerät aus dem Auto: „Es gibt keine nette Stimme, die einem den Weg ansagt.“ Dafür gebe es einen Piep beim Richtungswechsel und es bedürfe eines genauen Blick auf das Display.

Auf das wird er auch besonders genau blicken, wenn er seinen „Travel Bug“ wieder auf die Reise schickt. Behalten darf der Finder den Anhänger nämlich nur eine kurze Zeit - so besagen es die Geocaching-Regeln. Aber an dem Ort, an dem Wulfekammer seine Wanze wieder freilassen möchte, nämlich in der Nähe der Kohlenwäsche in Ibbenbüren, wartet schon der nächste Anhänger auf ihn: „Dort liegt ein Brewpub Travel Bug, der 2003 im US-Bundesstaat Maine versteckt wurde.“ Über Hawaii, Colorado, Prag, Venedig, Monaco und Oslo kam er ins Tecklenburger Land. Für den Mettinger eine echte Herausforderung.

Ob er ihn findet und wohin die Reise seines Fundes auf der Skipiste führen wird, kann dann jeder auf der Internetseite www.geocaching.com nachsehen. Dort sind aktuell 989555 Caches, also kleine Schätze, weltweit verzeichnet. Und die suchen nun auch die Mettinger.

VON ANTJE RAECKE, IBBENBÜREN

19 · 02 · 10



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