KABARETT_
Richard Rogler begeistert in Mettingen mit bissigem Rundumschlag

Richard Rogler machte „Stimmung“ im Mettinger Bürgerzentrum und versprach noch mal vorbeizukommen, wenn „Sie mal wieder hier sind“.
Richard Rogler machte „Stimmung“ im Mettinger Bürgerzentrum und versprach noch mal vorbeizukommen, wenn „Sie mal wieder hier sind“.
(Foto: Dietlind Ellerich)


Mettingen. „Stimmung“ machte Richard Rogler am Samstag im Bürgerzentrum. In seinem neuen Programm bekommt jeder sein Fett weg, Parteien aller Couleur, Frau Merkel, für die die Mitte, auch die im Publikum, reserviert ist, Bundes- und Landtagsabgeordnete auf Dienstreise, Quittenmarmelade kochende und naturtrübes Exportbier brauende arbeitslose Akademiker genauso wie vermeintlich jung gebliebene Senioren, Sport treibende Unsportliche, twitternde Jugendliche oder späte Eltern.

Schnell in Stimmung kamen dann auch die rund 150 Gäste im Bürgerzentrum. Es war aber auch zu komisch, wie der grantelnde Kabarettist mit starker Mimik und schwungvoller Gestik die Bühne in Beschlag nahm und alles aus ihm herausbrach, was ihn so aufregt. Da bietet der Politzirkus natürlich jede Menge Auswahl. Sicher sei, dass sich viele FDP-Wähler verwählt haben. „Die haben ja überhaupt kein Hotel“, konstatiert Rogler und trauert den Zeiten hinterher, als es in der SPD noch Leute gab, die was zu sagen hatten, nämlich Brandt, Schmidt - und Scharping? Heute höre man Sätze wie „Ich bin schwul, und das ist gut so“, zitiert er resigniert.


Die Grünen könne er sich nicht leisten wegen der Atmungssteuer, der Feinstaubausgleichsabgabe, der Ampelabgabe und für die CDU fühle er sich zu jung. Einzig das „Drunter und Drüber“ in der Linkspartei macht ihm langsam Spaß. Und er kündigt gleich die Gründung von Lafontaines neuer Partei „ICH“ (Initiative für Chancengleichheit und Haushaltskonsolidierung) an.

Doch Rogler kann auch unpolitisch, nimmt sich die Endvierziger vor, die irgendwann feststellen, dass die Designerwohnung doch nicht alles gewesen sein kann und schnell noch ein Kind „hinfriemeln“, das sich nach der Entbindung fragt, ob Mama und Papa keine Zeit gehabt haben, und deshalb Oma und Opa zu seiner Geburt geschickt haben. Dass die deutsche Frau ihren Mann nicht mehr braucht, wundert ihn gar nicht. Schließlich liege der hundert Mal öfter unter seinem Auto als auf seiner Frau.

Völliges Unverständnis seinerseits auch über den 82-jährigen Ansgar, der mit Turnschuhen, runterhängender Jeans und Kapuzen-Shirt herumläuft und sich über sein iPhone freut wie ein Fünfjähriger, der einen Roller kriegt.

Wie mit der Arbeitskraft Mensch umgegangen wird, demonstriert er in einem Gespräch zwischen Arbeitgeber und Fensterreiniger. „Hauptsache Arbeit, auch wenn ich gar nichts kriege“, so das Fazit des Arbeitnehmers.

Rogler poltert, und das Publikum hat seine helle Freude daran. Auch am detaillierten Zerpflücken der verschiedenen Mehrwertsteuersätze. Wenn die Prostituierte eine Stunde im Hotelzimmer bleibe, sei der volle Satz von 19 Prozent fällig, bleibe sie hingegen die ganze Nacht, gelte das als Übernachtung, das macht nur sieben Prozent. Und überhaupt sei es steuerlich günstiger, ins Gras zu beißen als ganz normal über die Wupper zu gehen.

Auch die Ersatzdroge Sport macht er zum Thema. „Es gibt Sportarten, die passen nicht zu mir“, konstatiert Rogler und zählt auf, was er schon alles ausprobiert hat. Beim Yoga sei er eingeschlafen, Stretching führte zu Positionen, bei denen Füße und Kopf verschiedene Postleitzahlen hatten, aber Ayurveda sei das Schlimmste. Früher habe man sich samstags unters Auto gelegt und die Ölwanne ausgetauscht, wenn man die Stirn mit Öl beträufelt haben wollte. Gehen und Laufen gingen gar nicht, sagt er und fordert Paragrafen, die man ja schließlich für jeden Scheißdreck habe. „Dass immer die laufen müssen, die es nicht können“, stöhnt er.

Zur Zugabe kommt der 60-Jährige nach zwei Stunden und 15 Minuten eher nebenbei und unaufgefordert. Ob man etwas lernen könne aus diesem Abend? Klar! „Wenn man etwas fallen lässt, muss man es wieder aufheben“, stellt Rogler trocken fest. Und: „Wenn Sie mal wieder hier im Bürgerzentrum sind, rufen Sie mich an, ich komme auch“, verspricht er. „Gerne“ werden sich die Zuschauer gedacht haben.


21 · 02 · 10



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