GESCHICHTE_
Ausstellung in Mettingen zeigt Zweiten Weltkrieg von anderer Seite

Nataly Jung-Hwa Han schilderte das Schicksal der Trostfrauen, die vom japanischen Militär zur Prostitution gezwungen wurden. Sie sprach zum Auftakt der Ausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“.
Nataly Jung-Hwa Han schilderte das Schicksal der Trostfrauen, die vom japanischen Militär zur Prostitution gezwungen wurden. Sie sprach zum Auftakt der Ausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“.
(Foto: Oliver Langemeyer)


Mettingen. Eine Gruppe von Frauen steht zusammen. Eine von ihnen ist schwanger. Trotz der alten Schwarz-weiß-Aufnahme ist die Verzweiflung in ihren Gesichtern deutlich zu erkennen. „Die Frau hat ihr Kind verloren“, sagt Nataly Jung-Hwa Han. Die Leiterin der Kommunikations- und Forschungsabteilung des Korea-Verbandes in Berlin berichtete am Dienstagmorgen im Mettinger Comenius-Kolleg sehr bewegend über das Schicksal von rund 200 000 Mädchen und jungen Frauen im Zweiten Weltkrieg.

Das japanische Militär und seine Helfer verschleppten die Frauen, die zumeist aus den Kolonien Korea und Taiwan kamen, während des Asien-Pazifik-Krieges. Dann zwangen sie die Frauen im Alter zwischen elf und 29 Jahren zur Prostitution. Sie nannten sie Trostfrauen. „Viele Frauen sind bis heute nicht entschädigt worden“, sagt Han. Nach dem Krieg sei das heikle Thema von japanischer Seite verdrängt worden. Die wenigen Überlebenden waren traumatisiert und schwiegen - zum Teil aus Scham - ebenfalls. Daher berichtet Han vor den Schülern und Kollegiaten an diesem Morgen letztlich von einem fast vergessenen Stück Geschichte.


Das passt auch zur aktuellen Ausstellung am Comenius-Kolleg: „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg.“ Auf den Stellwänden im Foyer sind insgesamt 42 Dokumentationstafeln zu sehen. Sie beschäftigen sich mit den Kolonialländern von Afrika bis Asien, die durch unterschiedlichste Weise in die Kriegswirren verwickelt wurden. Zu den Themen gehören die Zwangsarbeit für den Krieg, die ausbleibende Kriegsrente für afrikanische Veteranen oder die Nazipläne im Nahen und Fernen Osten.

„In den Geschichtsbüchern wird der Zweite Weltkrieg meistens sehr europazentriert dargestellt“, erklärt Gerborg Meister. Die Lehrerin am Comenius-Kolleg hat die Ausstellung nach Mettingen geholt. Das Rheinische Journalistenbüro habe die Ausstellung herausgegeben, sagt Meister. Das Büro wollte den Krieg damit einmal von einer anderen Seite beleuchten.

Nataly Jung-Hwa Han zeigt in ihrer Power-Point-Präsentation eine weitere Fotografie aus dem japanischen Kriegsgebiet. Dutzende Soldaten stehen vor einem Trost-Bordell Schlange. „Man wollte damit Massenvergewaltigungen verhindern“, zitiert Han eine der grotesken offiziellen Erklärungen für das grausame Schauspiel. Sie hat für ihren Vortrag viele Berichte von Opfern gesammelt. Rund 90 Frauen leben noch heute. Vergessen haben sie nichts. Im schlimmsten Fall mussten die Frauen 20 Soldaten pro Tag „bedienen“. Die vorgeschriebenen Kondome benutzten wenige, erzählt eine Frau. Wurde eine schwanger, musste sie abtreiben.

Das Leben der Betroffenen habe sich geändert, als die Zeitzeugin Kim Hak-Soon 1991 das Schweigen der Opfer brach und öffentlich auftrat. Mittlerweile gibt es regelmäßig Demonstrationen in Südkorea vor der japanischen Botschaft, erzählt Han. Die Demonstranten fordern vor allem Entschädigung für die Opfer. Denn ihr Leben blieb auch nach Ende des Krieges, als die überlebenden „Trostfrauen“ in ihre Heimat zurückkehren konnten, oft sehr trostlos. In einer Gesellschaft, in der sie als „nicht rein“ galten, waren diese Frauen oft isoliert. Der japanische Fotograf Yajima Tsukasa lebte von 2003 bis 2006 mit einigen „Trostfrauen“ im „Haus des Teilens“ in Südkorea. Er zeigte am Dienstag Porträtserien der Frauen.

VON OLIVER LANGEMEYER, IBBENBÜREN

23 · 02 · 10



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