Mettingen. Eine Gruppe von Frauen steht zusammen. Eine von ihnen ist schwanger. Trotz der alten Schwarz-weiß-Aufnahme ist die Verzweiflung in ihren Gesichtern deutlich zu erkennen. „Die Frau hat ihr Kind verloren“, sagt Nataly Jung-Hwa Han. Die Leiterin der Kommunikations- und Forschungsabteilung des Korea-Verbandes in Berlin berichtete am Dienstagmorgen im Mettinger Comenius-Kolleg sehr bewegend über das Schicksal von rund 200 000 Mädchen und jungen Frauen im Zweiten Weltkrieg.
Das japanische Militär und seine Helfer verschleppten die Frauen, die zumeist aus den Kolonien Korea und Taiwan kamen, während des Asien-Pazifik-Krieges. Dann zwangen sie die Frauen im Alter zwischen elf und 29 Jahren zur Prostitution. Sie nannten sie Trostfrauen. „Viele Frauen sind bis heute nicht entschädigt worden“, sagt Han. Nach dem Krieg sei das heikle Thema von japanischer Seite verdrängt worden. Die wenigen Überlebenden waren traumatisiert und schwiegen - zum Teil aus Scham - ebenfalls. Daher berichtet Han vor den Schülern und Kollegiaten an diesem Morgen letztlich von einem fast vergessenen Stück Geschichte.