MUSICAL_
„Francesco und Chiara“ zogen Mettinger in ihren Bann

Sowohl der Projekt-Chor als auch das Orchester überzeugten das Publikum.
Sowohl der Projekt-Chor als auch das Orchester überzeugten das Publikum.
(Fotos: Heinrich Weßling)


Mettingen. Viele Kirchengemeinden sind nach dem Hl. Franziskus von Assisi benannt, denn ihr Namenspatron war sicher eine schillernde Person, sagenumwoben, legendenbehaftet und beliebt bis heute.

Die weit weniger bekannte Seite des Franziskus, nämlich die des Versöhnung und Frieden stiftenden Außenseiters, des verachteten Querdenkers, beleuchtet das Musical „Francesco und Chiara“ umso intensiver.


Das Libretto zu diesem neuen Musical, das aus etwa 20 flotten Szenen besteht, stammt aus der Feder von Anna Ohm, die musikalische Umsetzung erfolgte durch Ludger Kuhlmann.

Am vergangenen Sonntagnachmittag führte das kreative Gespann aus Georgsmarienhütte sein Musical auf Einladung des Kulturvereins in der ausgezeichnet besetzten St.Agatha-Kirche auf, und die etwa einhundert Mitwirkenden, darunter ein gut 40 Personen starker, sicher agierender Projektchor, nutzten den gesamten Raum, den die frisch renovierte große Kirche bietet, effektiv aus.

Ein stimmiges, gehaltvolles Libretto, in dem das Leben von „Francesco und Chiara (Klara)“ aus der Sicht des bewundernden Stadtbewohners Paolo beleuchtet wird, fügt sich hier ausgezeichnet in die Musikwelt des Komponisten ein, der am Sonntag selbst dirigierte. Dem Dirigat von Ludger Kuhlmann folgte eine Mischung aus einem kleinen klassischen Orchester und einer erfreulich dezent begleitenden Band. Das musikalische Konzept setzt mit variierter Akzentsetzung die Reihe der Sacro-Pop-Musicals fort, wie sie in den 1970er Jahren ein Peter Janssens erfolgreich umsetzte.


Anna Ohm (Texte) und Ludger Kuhlmann (musikalische Umsetzung) führten das Publikum in das Musical ein.
Anna Ohm (Texte) und Ludger Kuhlmann (musikalische Umsetzung) führten das Publikum in das Musical ein.
(Fotos: Heinrich Weßling)


Die Musik von Ludger Kuhlmann setzt mehr auf die melancholischen, die leise klagenden Töne, die vor allem die Oboe, das Saxophon und die beiden Querflöten (toll: F. Klostermeyer, M. Berger, V. Große, R. Wolter) malten, und sie ist gekennzeichnet von klarer, aber nicht dominierender Rhythmik und mancher überraschender Harmonie-Wendung. Zu den schönsten Passagen gehörten dabei die perlenden Dialoge zwischen dem „Sultan“ und der hier quirlig aufspielenden Oboe. Auch scheute Kuhlmann sich nicht, unmittelbar darauf den Generalbass-Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“ einzubauen. Immer wieder entstanden neue Bilder auf den verschiedenen Schauplätzen in der Kirche, und keine Szene verfehlte ihr übergreifendes Ziel, welches die Autorin vorab umrissen hatte: Es gilt in „Francesco und Chiara“, die Parallelen zur heutigen Zeit zu erkennen und aus dem Leben von Franziskus und Klara den noch heute gültigen Auftrag zu lernen, nämlich Christus zu folgen und den Armen zu dienen. Sehr zu überzeugen wussten hier die gut disponierten Hauptdarsteller, allen voran Thomas Meyer, der einen glaubwürdigen Francesco darstellte. So entwickelte sich ein farbiges Musical-Geschehen, das die Zuhörer in ihren Bann zog und sie aus diesen erst nach gut zwei Stunden wieder entließ. Einziger Wermutstropfen ist und bleibt der altbekannte Kampf mit den akustischen Verhältnissen, die in St. Agatha nicht gerade einfach sind und manchen Besucher zum Wechseln des ursprünglichen Sitzplatzes veranlasste. Dennoch: Die Botschaft des Musicals ist angekommen, und sie hinterließ nachhaltigen Eindruck.


01 · 03 · 10



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