Der Melkroboter ist in Aktion, die Kuh ist entspannt. (Fotos: Heinrich Weßling)
Mettingen/Recke. „Wir haben unsere Betriebe rationalisiert“, so die beiden Betriebsleiter Georg Flacke und Matthias Westerlage. Seit Spätherbst 2009 laufen im Melkstand am Hagebröcker Weg 41 zwei Melkroboter. Täglich werden hier über 120 Kühe gemolken. Eine Arbeitserleichterung, die ihnen mehr Lebensqualität bringe, so die beiden engagierten Landwirte.
Im Jahre 2000 haben beide Betriebe ihre Höfe auf den Prüfstand gestellt. „Wir haben wirtschaftliche Möglichkeiten gesucht, rationeller zu arbeiten“, sagt Georg Flacke. „Diesbezüglich führten wir Gespräche mit dem Kammerberater, denn auf meine Eltern konnten meine Frau Birgit und ich altersbedingt nicht mehr bauen. Sie hatten den Hof im Espeler Esch aufgebaut und zur heutigen Größe erwirtschaftet.“ Ähnlich gelagert war auch die Problematik auf dem Betrieb von Matthias und Birgit Westerlage.
Beide Betriebe waren landwirtschaftlich gut strukturiert und vielschichtig gelagert. Kühe, Kälberaufzucht, Schweine- und Bullenmast. Sieben Tage die Woche, morgens und abends im Stall, melken, füttern, Tiere pflegen. „Um produktiver und zeitsparender zu wirtschaften, haben wir unsere Köpfe zusammengesteckt und, nach relativ kurzer Bedenkzeit, eine landwirtschaftliche Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet“, erklärt Matthias Westerlage.
Georg Flacke (r.) und Matthias Westerlage: Fortschritt im Rinderstall. (Fotos: Heinrich Weßling)
2000 wurden die Weichen für die Zukunft gestellt. In den folgenden Tagen, Wochen und Monaten erfolgte die rationalisierte Aufteilung als Betriebsschwerpunkt innerhalb der Betriebe. Der gesamte Milchviehbetrieb verlagerte sich an den Hagebröcker Weg 41. Dafür wechselte die Jungviehaufzucht nach Recke-Espel.
Auf dem Hof Westerlage ist somit die Milchproduktion Schwerpunkt, für die Matthias Westerlage, neben dem Dauergrünland, verantwortlich zeichnet. Die Schwerpunkte von Georg Flacke liegen in Jungviehaufzucht, Schweinemast sowie Ackerbau. Die Bullenmast wurde eingestellt.
Durch diese Arbeitsaufteilung konnten sich beide Betriebsleiter in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen erfolgreich weiter spezialisieren. Für die betriebliche Umstrukturierung waren auf beiden Betrieben erhebliche Umbaumaßnahmen an und in den Gebäuden erforderlich.
Grundsätzlich stand der Synergieeffekt dabei im Vordergrund. Gemeinsames Einkaufen von Futter, weniger Arbeitsstunden, bessere Auslastung der Maschinen und die Rüstzeiten sind um ein Vielfaches reduziert worden. Die Produktivität stieg.
Die ersten Jahre waren noch geprägt von der herkömmlichen Handarbeit im Kuhstall. Ungefähr zwölf Stunden pro Tag mussten im Stall verbracht werden. Die in die Jahren gekommene Melktechnik stand schon im Jahre 2005 auf dem Prüfstand. Man hat sich umgesehen und nach neuen Lösungen gesucht. Im letzten Jahr wurde man fündig und hat sich für einen Melkroboter entschieden. Diese Form der Milchgewinnung kennt man bisher nur in Dänemark und in Holland, teilweise auch in Deutschland.
„Im Altkreis Tecklenburg sind wir Vorreiter“, so Matthias Westerlage. „Nach reiflicher Überlegung haben wir uns für einen vollautomatischen Milchroboter entschieden. Anhand der eingelesenen Computerwerte erhalten wir viel mehr Informationen über Qualität der Milch, Gewicht, Körpertemperatur der Kühe und Milchleistung.“ Einen Überblick über die Eutergesundheit verschafft sich Westerlage jeden Tag am Computer. Einige Indikatoren sind die elektrische Leitfähigkeit sowie die Farbe der Milch. „Fallen mir verdächtige Kühe ins Auge, stelle ich eine überwachte Melkung ein. Betritt eine dieser Kühe den Melkroboterstand, werde ich gleich alarmiert und kann selbst entscheiden, ob das Tier gemolken werden darf, oder nicht“, so Westerlage.
In jedem Laufstall sind rund 65 Kühe untergebracht. Die Tiere gehen selbstständig nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in die Melkbox. Über einen am Hals befestigten Responder wird das Tier durch die Box geleitet. Die zu jedem Tier eingegebenen Werte entscheiden dann, ob die Kuh jetzt gemolken und gleichzeitig mit zusätzlichem Kraftfutter versorgt wird.
Georg Flacke und Matthias Westerlage wechseln sich bei der Stallarbeit, auf dem Schlepper oder bei der Feldbestellung ab. So gibt es auch alle 14 Tage ein freies Wochenende. Die tägliche Stallarbeit kann jetzt von einer Arbeitskraft überwacht und kontrolliert werden.
Am Sonntag, 21. März, ist von 10 ist 16 Uhr der Stall am Hagebröcker Weg für eine Besichtigung frei. Hier können sich Interessenten über die Melktechnik informieren. Landfrauen, landwirtschaftlicher Ortsverein und Landjugend verwöhnen die Gäste mit Kaffee und Kuchen.