BILANZ_
Mettinger Kläranlage wirft kaum überschüssige thermische Energie ab

Jürgen Varnhorn (2.v.l.) vom Ingenieurbüro Frilling erläuterte den Mitgliedern des Bauausschusses den Baustand bei der Erweiterung der Kläranlage.
Jürgen Varnhorn (2.v.l.) vom Ingenieurbüro Frilling erläuterte den Mitgliedern des Bauausschusses den Baustand bei der Erweiterung der Kläranlage.
(Foto: Oliver Langemeyer)


Mettingen. Die Energiebilanz der Mettinger Kläranlage macht ein Dilemma deutlich: Durch die Befeuerung von demnächst drei Blockheizkraftwerken mit Faulgas wird zu viel Abwärme (thermische Energie) erzeugt. Der Überschuss, der nicht für den Betrieb der Kläranlage genutzt wird, beträgt an einem Wintertag 440 Kilowattstunden. „Damit kann man im Winter ein mittelaltes Wohnhaus beheizen“, erklärte Jürgen Varnhorn - mehr nicht. Das Haus müsste zudem ganz in der Nähe vom Klärwerk liegen. Der Bau langer Leitungen sei nicht wirtschaftlich, sagte der Mitarbeiter des Ingenieurbüros Frilling. Er stellte den Mitgliedern des Bauausschusses am Mittwochabend die Energiebilanz der Kläranlage vor. Die Anlage an der Neuenkirchener Straße wird derzeit umfangreich erweitert. Vom Stand der Bauarbeiten machten sich die Ausschussmitglieder vor Ort ein Bild.

Im Sommerbetrieb ist der Überschuss an Abwärme mit 2640 Kilowattstunden am Tag zwar deutlich höher. Das ändert an dem Dilemma aber nicht viel. Grundsätzlich sinnvoll wäre es, mit der Energie den Klärschlamm zu trocknen. Denn dann wäre er besser für eine spätere Verbrennung geeignet. Für die Trocknung reiche aber auch der Energie-Überschuss im Sommer nicht aus, erklärte Varnhorn. Selbst im Jahr 2018, wenn die erweiterte Kläranlage ihre volle Auslastung erreiche, könnten damit nur 28 Prozent des Klärschlamms getrocknet werden. Das sei für einen wirtschaftlichen Prozess zu wenig. Letztlich bleibe der Gemeinde beispielsweise die Möglichkeit, mit dem Betreiber einer Trocknungsanlage für Holzhackschnitzel zusammenzuarbeiten, resümierte Varnhorn. Der könnte die überschüssige Abwärme nutzen. Vorausgesetzt, die Anlage ist in unmittelbarer Nähe des Klärwerks, erläuterte der Fachmann.


Durch die Verbrennung von Faulgas erzeugen die Blockheizkraftwerke der Kläranlage auch Strom. Die elektrische Leistung liege derzeit konstant bei 2700 Kilowattstunden pro Tag und werde zu 100 Prozent für den Betrieb der Kläranlage genutzt, sagte Varnhorn.

Beim Ortstermin zeigte der Mitarbeiter des Ingenieurbüros die baulichen Fortschritte an der Kläranlage. Kernstück der Erweiterung ist eine zweite Flotationsanlage. Damit werden vor allem die indus-triellen Abwassermengen von Coppenrath und Wiese vorbehandelt, berichtete Varnhorn. Ferner entsteht ein drittes Blockheizkraftwerk zur Erzeugung von Strom und Abwärme. Das soll Ende April den Betrieb aufnehmen. Die neue Flotation ist nach den Planungen in sechs bis acht Wochen fertig.

Links vom Eingang der Kläranlage entsteht eine Annahmestation für Klärschlamm von Kleinkläranlagen. Außerdem wird die Zentrifugentechnik ausgetauscht. Darüber hinaus entsteht ein Vorratslager für den entwässerten Klärschlamm. Der kann dort per Sattelzug abgeholt und bislang noch auf landwirtschaftlich genutzten Feldern verteilt werden. Sollte aber die Klärschlammverordnung verschärft werden, bleibt nur noch die Verbrennung.

Die Laster fahren den Schlamm dann nicht mehr zu den Feldern, sondern zu Verbrennungsanlagen, sagte Jürgen Breulmann vom Mettinger Bauamt im Gespräch mit unserer Zeitung. In Mettingen werde der Klärschlamm zu 20 Prozent entwässert. Je trockener der Schlamm sei, desto besser die Brennwerte, desto größer der Erlös, sagt Breulmann. Eine zusätzliche Trocknung von Schlamm an der Kläranlage sei derzeit aber nicht geplant.

>> Lesen sie mehr zum Thema Freitag in unserer Zeitung.

VON OLIVER LANGEMEYER, IBBENBÜREN

11 · 03 · 10



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