Rheine. Sonntag, kurz vor 13 Uhr. Kim-Marie Spölming kann erst einmal durchatmen. Gemeinsam mit zwei Kollegen weist sie auf dem Zoo-Parkplatz die Autos in die engen Lücken. „Schon vor elf Uhr war hier eine Menge los“, sagt sie und schüttelt sich die langen blonden Haare aus dem Gesicht. „Da war der erste Parkplatz schon fast komplett besetzt.“ Mittlerweile sind auch auf dem zweiten Parkplatz nur noch wenige Stellflächen frei, aber der Ansturm ist etwas abgeebbt. „Nach dem Mittagessen kommt die nächste Rutsche“, sagt die junge Einweiserin und erwartet schon die nächste Blechlawine.
Drinnen im Zoo drängen sich die Besucher rund um die neue Attraktion des Naturzoos. Dieses Mal sind es keine Tierbabys, sondern gleich eine ganz neue Tierart: Die Lippenbären sind da.
Am neuen Bärengehege gleich neben den Seehunden lassen sich die Zoobesucher von Stefanie Hecht alles über die neuen Bären erklären: „Sieben Zentimeter sind die Krallen lang und mit ihnen brechen sie Erdnester von Krabbeltieren auf.“ Aber nicht nur mit den Pranken verschaffen sich die Bären ihre Nahrung. „Ihnen fehlen die Schneidezähne“, erläutert Hecht. Die Lippen werden gemeinsam mit der Zunge zu einer Art Strohhalm gerollt und dann geht es ran an die Leckereien. Erst wird der Dreck weggepustet, dann werden die Krabbeltiere eingesaugt. „Das macht ein ganz tolles Schlürfgeräusch“, sagt Hecht.
Direkt neben dem neuen Zuhause von „Franz“, „Myrthe“ und „Kama“ ist für die jüngsten Bärenfans schon einiges vorbereitet. Bei einem Quiz können die Kinder viel über die verschiedenen Bärenarten lernen und Bastelangebote gibt es reichlich: Masken, Miniaturbären und Bienenanstecker werden hier zu Hunderten gestaltet.
Während sich die Kinder an den Scheiben die Nase platt drücken, um einen Blick auf die neuen Zoobewohner zu erhaschen, steht der Papa dahinter. Aus seinem Rucksack lugt auch ein Lippenbär. Der ist aber aus Stoff, musste aber auch unbedingt mit in den Zoo, um einmal seine Artgenossen kennenzulernen. Die Zuschauer sind begeistert von der Anlage. „Das Gehege ist schön groß und so natürlich gestaltet“, sagt Bettina Galle, die häufig in den Zoo geht. „Hier gibt es viel weniger Beton und viele Möglichkeiten zum Klettern“, sagt sie weiter. Im Gegensatz zum alten Käfig, in dem bis 2004 die Schwarzbären ihr Zuhause hatten, sei bei den Lippenbären nun endlich genug Platz für die Tiere.
Zoodirektor Achim Johann hat es sich derweil in der Zooschule gemütlich gemacht. Er erzählt hier Anekdoten von den verschiedenen Bären, die im Zoo Station machten und natürlich besonders vom Bau des neuen Geheges. „1939 kamen die ersten Bären in den Zoo und waren damals die große Attraktion.“ Kein Wunder. Schließlich war im Zoo sonst vor allem Wild zu sehen. Exoten hatten hier weniger einen Platz. Aber auch heute sind die Lippenbären die großen Stars in Rheine.
Gemeinsam mit den Tigern und den Affen bilden sie nun die Riege, die sich auch im Dschungelbuch von Kipling finden lässt. „Wir haben hier die echten Balus“, strahlt Johann. Auf der Wiese neben dem Bärengehege gibt es für die jungen Zoobesucher eine kurze Vorführung von ihren Helden aus dem Dschungelbuch. Die Freilichtbühne Tecklenburg hat hier Station gemacht, um ein paar Szenen zu spielen.
Im alten Bärengehege ist Kinderschminken angesagt. So lässt sich auch der sechs Jahre alte Luca mit einem schönen Bärengesicht verzieren.