Rheine. Eigentlich sollte man denken, Tigerkatze Sali aus dem Rheiner Naturzoo müsste jetzt zufrieden sein. Ein feiner englischer Gentleman hat jetzt ihre unfreiwillige Einsamkeit beendet. Kater „Batu“, der schon im britischen Chessington erfolgreich gezüchtet hat, ist in der vergangenen Woche in Rheine eingetroffen, um hier erfolgreich zur Arterhaltung der vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tiger zu sorgen.
So ganz traut Sali, die seit ihrer Geburt mit ihrem Vater „Attjak“ bis zu dessen Tod vor einem halben Jahr verpaart war, dem Braten noch nicht. „Sie täuscht oft einen Verlegenheitsschlaf vor. Sie liegt dann mit geschlossenen Augen da, ist aber in Wirklichkeit hellwach und zum Sprung bereit“, beschreibt Zoodirektor Achim Johann das Verhalten der fünf Jahre alten Tigerdame, die sich jetzt ganz langsam an ihren neuen Artgenossen gewöhnen soll.
Daran, die Tiger jetzt schon zusammenzuführen, denkt von den Verantwortlichen des Naturzoos derzeit niemand. „Das Risiko, dass sie die beiden gegenseitig erheblichen Schaden zufügen, wäre viel zu groß“, sagt Johann. Er verweist auf das Vorgänger-Tigerpaar „Attjak“ und „Kim“. Bei ihnen habe es 2002 etwas ein halbes Jahr gedauert, bis sie gemeinsam das Tigergehege nutzten und mit dem unvergessenen „Dumai“ auch schnell Nachwuchs zeugten.
Bei „Sali“ und „Batu“ hat es bislang für ein kurzes Tete-a-tete mit drei Metern Abstand am Abtrennzaun zwischen dem großen und dem kleinen Außengehege gereicht. „Für Batu ging es in den ersten Tagen darum, sich überhaupt einmal in der neuen Umgebung zurechtzufinden“, sagt der Zoodirektor. So blieb er in den ersten Tagen zunächst im Tigerhaus, bis er sich in den drei ihm und Sali zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten auskannte. „Erst danach haben wir den Schieber zum Außengehege geöffnet“, berichtet Johann.
Insgesamt schlägt sich der Neuzugang, der im Berliner Tierpark geboren wurde, aber schon recht wacker. „Wir haben den Eindruck, für Sali ist die Umstellung schwieriger zu verkraften“, meint er.