Randolph Westphal machte auf seiner Fahrradtour am Donnerstag auch Station auf dem Marktplatz. (Foto: Schrief)
Rheine. Eigentlich sollte er längst tot sein. Als die Ärzte den bösartigen Tumor in seinem Körper entdecken, prognostizieren sie ein schnelles Ende. Sechs Monate, maximal zwölf. Mehr nicht.
Es kommt anders. Die Mediziner haben sich getäuscht. Und zwar gewaltig. 20 Jahre nach der fatalen Diagnose lebt Randolph Westphal immer noch. Der Krebs ist zwar in seinem Körper. Aber er hat den 50-Jährigen bislang nicht umgebracht. „Ich akzeptiere den Krebs als Teil meines Körpers. Und nur wenn man es akzeptiert, kann man leben“, sagt Westphal. Das ist sein Mantra. Damit zieht er durch die Welt, spricht in Hörsälen oder in Universitätskliniken.
29 Jahre alt war der gelernte Informationselektroniker, als die Ärzte ein bösartiges Melanom entdecken. „Ich war geschockt. Ich war sportlich, habe weder geraucht noch getrunken. Und dann das“, erinnert er sich. Zwei Wochen später kommt er „unters Messer“. Sollte alles gut verlaufen, werde die Operationsnarbe nicht größer als sechs Zentimeter sein, hatten ihm die Ärzte gesagt. Als er aus der Narkose aufwacht, tastet er die OP-Wunde am rechten Rippenbogen ab. „Das waren keine sechs Zentimeter, das waren 60.“ Der Tumor hatte bereits die Lymphdrüsen befallen. Ein Todesurteil, glaubten die Mediziner, die sich auf ihre Statistiken stützten.
Aber Randolph lebt weiter. Als die von den Ärzten prognostizierte Frist abgelaufen ist, beginnt Randolph Westphal die Krankheit in seinem Körper zu akzeptieren. „Positiv denken. Ich tue nur noch das, was ich wirklich will“, beschließt er. „Nur nicht in die Ecke setzen und auf den Tod warten. Wenn man das macht, ist jeder kleine Krebs tödlich.“
Fortan geht der Krebskranke aus dem hessischen Niederau auf große Tour. Meistens im Winter, oft mit dem Rad und immer mit seinen vierbeinigen Begleitern. Seine Touren durch Nordamerika haben ihm sogar schon einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde (1998) eingebracht. Er gilt als der Mann, der bislang die längste Tour bei Minusgraden absolviert hat. „153 Tage bei bis zu minus 51 Grad Celsius“, sagt Westphal.
Nicht immer steht ihm bei seinen Touren das Glück zur Seite, erzählt Westphal weiter. 1996 in Argentinien mäht ihn bei La Plata ein Lastwagenfahrer nieder. Weil der Unfallfahrer glaubt, dass Westphal den Unfall nicht überlebt hat, legt er den Schwerstverletzten in den Straßengraben – neben seinen toten Hund. Erst nach vier vier Stunden wird er entdeckt. Die Ärzte können seinen zerfetzten Unterschenkel retten. Monatelang liegt er im Krankenhaus. Es scheint, als habe Westphal mehr Leben als eine Katze.
Trotz aller Nackenschläge hat Westphal seinen Lebensmut nicht verloren. 28 Mal ist er inzwischen wegen der Krebserkrankung operiert worden. Er akzeptiert das. „Ich gehe vorwärts. Nicht zurück. Ich will den Menschen zeigen, dass man mit Krebs länger leben kann, als die Statistik sagt.“
„Nie aufgeben“, lautet sein Motto. Und weil er anderen Menschen Mut machen will, ist er am 1. September zur – wie er sagt – „längsten je dagewesenen Spenden-Tour“ aufgebrochen. Mit Unterstützung der Bild-Zeitung fährt er mit seinem Rad in diesem Winter gut 15 000 Kilometer über das Nordkap nach Murmansk und wieder zurück. Immer dabei sind seine drei Hunde Yukon (ein zwölfjähriger Alaska Malamut), Hundedame Nanook (4, Siberian Husky) und Sohn Chinook (2). „Die Hunde sind meine Familie. Ohne sie gehe ich nirgendwo hin“, sagt Westphal.
Auf dem Weg zum Etappen-Ziel Hörstel kam Westphal am Donnerstag durch Rheine. In den Städten nimmt er sich Zeit für die „Medienarbeit“, präsentiert seine Empfehlungsschreiben und wirbt für den Spendenmarathon und die Aktion „Ein Herz für Kinder“. Er selbst lebt dabei seit Jahren von 400 Euro. „Das reicht für mich und meine Hunde.“ Sorgen macht er sich nicht. „Es ist doch sowieso eigentlich unglaublich, dass ich noch lebe“, sagt Westphal