Riesenbeck. Nein, offiziell mochte niemand ein Wort verlieren über den vermeintlichen Doktortitel des Bundestagsabgeordneten Dieter Jasper aus Hopsten. Dazu war der erste Hintergrundbericht der IVZ vom selben Tag offensichtlich noch zu frisch. Doch sicherlich sorgte der zweifelhafte Titel und die daraus zu ziehenden Folgen für Dieter Jasper und für die CDU im Kreis Steinfurt für Gesprächsstoff während des Neujahrsempfangs, zu dem der CDU-Stadtverband Hörstel in die neue Sporthalle im Vogelsang geladen hatte.
Eine offizielle Stellungnahme gab es am Montagabend zwar nicht. Doch in Einzelgesprächen war deutlich das Bemühen zu erfahren, den Vorfall politisch einzuordnen. Eine Sprachregelung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefunden. Deutlich erkennbar aber war in Einzelgesprächen die Sorge darüber, ob und wie sich der falsche Doktortitel von Dieter Jasper auch auf die anstehende Landtagswahl auswirken mag.
Die Landespolitik stand natürlich im Mittelpunkt der Ansprache von Landesminister Karl-Josef Laumann, der in Riesenbeck ein Heimspiel hatte. Laumann nahm zunächst die Vorlage des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Karl Dierkes auf. Dieser hatte in seiner Begrüßung der CDU-Mitglieder und der Vertreter von Vereinen und Verbänden aus dem ganzen Stadtgebiet daran erinnert, dass die CDU-Fraktion im Rat trotz der Wirtschaftskrise nicht am Ehrenamt sparen wolle. Auch Laumann sprach sich dafür aus, dem Ehrenamt „keine Knüppel zwischen die Beine zu werfen“. Er warnte davor, hier zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Ehrenamt zu unterscheiden. Von den Kaninchenzüchtern bis zur Jägerschaft habe jeder Verein seine Berechtigung und Funktion in der Gesellschaft.
Es waren dann aber doch die „großen“ Themen, die Laumann in den Vordergrund stellte. Allem voran die Arbeitsmarktlage. Nach Darstellung des Landesarbeitsministers sind in Nordrhein-Westfalen 200000 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im Jahr 2005, dem Jahr des Regierungswechsels. Auf Kritik am politischen Gegner verzichtete Laumann diesmal aber gänzlich. Stattdessen lobte er das Zusammenspiel von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, mit dem mancher nicht mehr gerechnet habe. „Verantwortung und soziale Partnerschaft sind in unserem Land noch vorhanden.“ Die Arbeitgeber hätten flexibel reagiert, zudem habe das Land durch Bürgschaften manchem Betrieb helfen können.
Weit über den Tag und auch über die nächste Wahl hinaus lenkte Laumann den Blick. Nicht der Markt an sich sei etwas Gutes, sondern nur dann, wenn auch Freiheit und Verantwortung damit verbunden sind, so der Landesminister. Eine solche Freiheit könne aber nicht unbegrenzt sein.
Schließlich lenkte Laumann den Blick auf eine Gesellschaft, die sich in den kommenden Jahren in mehrfacher Hinsicht radikal ändern wird. Er machte Mut, sich den neuen Herausforderungen zu stellen.