Golfplatz wird zur Opernbühne

Die Schlesische Staatsoper Bytom wird Giuseppe Verdis „Nabucco“ am 3. Juli mit über 100 Mitwirkenden auf dem Golfplatz Velpe aufführen.
Die Schlesische Staatsoper Bytom wird Giuseppe Verdis „Nabucco“ am 3. Juli mit über 100 Mitwirkenden auf dem Golfplatz Velpe aufführen.


Velpe - Kein vorweggenommener Aprilscherz: Der Golfplatz in Velpe wird zur großen Opernbühne. Am 3. Juli wird dort Giuseppe Verdis „Nabucco“ aufgeführt. Die Schlesische Staatsoper Bytom  wird das zu den größten Opern der Musikgeschichte zählende Werk „Open Air“ präsentieren. Der Vorverkauf hat begonnen.


Online-Ticketservice: www.Paulis.de

Veranstalter ist die Konzertagentur Paulis aus Braunschweig, die nach eigenen Angaben mit derartigen Freiluftspektakeln eine große Erfahrung hat. Die Initiative für die Aufführung ging allerdings vom Golfclub Habichtswald aus, der auf diesem ungewöhnlichen Wege Interesse für den Golfsport wecken will. „Wir hatten die Idee, Leute anzusprechen, die sonst vielleicht eine Hemmschwelle haben, zu einem Golfclub zu gehen“, sagt Achim Sülberg, Sprecher des Vereins.



Grundlage der Oper ist das Libretto des Italieners Temistocle Solera (1816–1878). Die Handlung speist sich aus Legenden um den biblischen Herrscher Nabucco (deutsch: Nebukadnezar II), König Babylons von 605 bis 562 vor Christus. Mit seiner Herrschaft sind Werke wie das Ischtartor, die Hängenden Gärten und der Babylonische Turmbau verbunden.

Hintergrund der Opernhandlung sind die Eroberung Jerusalems 587 v. Chr. und die Wegführung des jüdischen Volkes in babylonische Gefangenschaft 586 v. Chr. (2. Könige 25). Das Libretto übernimmt daraus nur wenige Motive. Die Handlung besteht aus vier Teilen.

„Nabucco“ markiert den Beginn der „Galeerenjahre“ Giuseppe Verdis, in denen er sich von immer neuen Verträgen zum Schreiben von nicht immer erfolgreichen Opern treiben ließ. Der Begriff geht auf einen Brief Verdis von 1858 zurück: „Seit Nabucco habe ich sozusagen keine ruhige Stunde mehr gehabt. Sechzehn Jahre Galeerenarbeit“, schrieb der Komponist da – also von 1842 bis 1858.

Zugleich war „Nabucco“ der erste ganz große Erfolg Verdis auf der Opernbühne.



„Für die Region soll das ein kleiner kultureller Paukenschlag werden“, erklärt Sülberg. Seines Wissens habe es so ein Event im weiten Umkreis auf einem Golfplatz noch nie gegeben. Der Golfclub Habichtswald hofft auf einen ähnlichen Zuspruch, wie ihn vergangenes Jahr Justus Franz und seine „Philharmonie der Nationen“ im Steinbruch Schwabe in Ibbenbüren genießen konnten. „Das war eine gelungene Veranstaltung“, resümiert Sülberg.

Rund um den Opernabend plant der Golfclub eigene Aktionen, um für seinen Sport zu werben. Gedacht sei an einen „Tag der offenen Tür“ oder an Schnupperkurse, erläutert der Sprecher des Vereins. Genaues stehe aber noch nicht fest.

Das Open Air-Spektakel im Juli solle einen weiteren Beitrag dazu leisten, „den Golfclub wieder nach vorne zu bringen“. Der Verein steckte vor zwei Jahren finanziell in der Klemme und war nur knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt. Im Zuge des Sanierungsplans hatte sich der Club auch verstärkte Anstrengungen für die Öffentlichkeitsarbeit auf die Fahnen geschrieben.

Der berühmte Gefangenenchor in einer solch schönen und außergewöhnlichen Kulisse dürfte mit ziemlicher Sicherheit dazu beitragen, den Golfclub in Velpe noch bekannter zu machen.

Die Schlesische Staatsoper Bytom wird unter der Stabführung von Tadeusz Serafin Verdis Freiheitsoper mit großem Chor, Orchester, renommierten Solisten in italienischer Originalsprache aufführen. Der gewaltige Chor der Gefangenen erklingt mit über 100 Mitwirkenden: Sängern - darunter klangstarke und facettenreich singende Solisten - und Musiker.

Open Air-Produktionen bedeuten für jedes Opernensemble eine besondere künstlerische Herausforderung. Hier gilt es Aufführung und Ambiente der Spielstätte zu vereinen. Sänger, Orchester, Regie und Technik müssen sich bei jeder Spielstätte neu auf die atmosphärischen und akustischen Gegebenheiten einstellen. Dies sei der Staatsoper bei ihren bisherigen Sommer Open Air-Aufführungen mit bisher  über zwei Millionen  Zuschauern hervorragend gelungen, schreibt der Veranstalter.

Der Spielbetrieb auf dem Golfplatz unterliege dabei nur kleinen Einschränkungen, und dies auch nur am Tag der Aufführung, wie Achim Sülberg versichert. Lediglich die Driving Range - das ist die großflächig angelegte Wiese, auf der mehrere Golfer gleichzeitig ihre Abschläge üben können - solle abgesperrt werden.

Die riesige Bühne (12 mal 13 Meter) wird dort aufgebaut, wo sonst abgeschlagen wird. Die Stuhlreihen davor werden leicht aufsteigend platziert, also umgekehrt, wie es in einem Theater sonst üblich ist. Insgesamt sollen zwischen 1500 und 2000 Zuschauer Platz finden.

Auch Achim Sülberg hat schon kritische Stimmen vernommen, warum der Golfclub, der gerade dem wirtschaftlichen Aus entronnen ist, so ein großes Ereignis auf die Beine stellt. Solche Skeptiker kann das Vorstandsmitglied aber beruhigen: „Das finanzielle Risiko liegt alleine beim Veranstalter.“ Der Golfclub stelle lediglich seinen Platz kostenlos zur Verfügung. Dafür bekomme er sogar einen, wenn auch nur kleinen Anteil an den Vorverkaufsgebühren. Unter dem Strich gebe es für den Verein also eher ein Plus als ein Minus, sagt Sülberg.

Der Golfclub Habichtswald und der Veranstalter hoffen am 3. Juli vor allem auf sommerliche Bedingungen. Gespielt wird bei jedem Wetter. Sollte es regnen, können Regencapes gegen eine geringe Gebühr erworben werden. Regenschirme sind allerdings nicht gestattet. Denn auf den Gefangenenchor soll jeder freie Sicht haben.

» Kartenservice: Golfclub Habichtswald, 05456/96 013; Bensmann Tabakwaren, 05404/1876; Osnabrücker Veranstaltungs- und Kartenservice „Osnabrückhalle“, 05451/5454540; Ticket- und Info-Hotline: 0531/346372

VON FRANK KLAUSMEYER, WESTERKAPPELN

03 · 02 · 09



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