Wetter ist Herausforderung für Spargel- und Erdbeerhof

Das Team vom Spargel- und Erdbeerhof hat eine nicht ganz einfache Zeit hinter sich. Doch jetzt haben Spargel und Erdbeeren den kalten Frühling wohl überstanden. Fotos:
Das Team vom Spargel- und Erdbeerhof hat eine nicht ganz einfache Zeit hinter sich. Doch jetzt haben Spargel und Erdbeeren den kalten Frühling wohl überstanden. Fotos:
(Josef Thesing)


Sendenhorst - Die Sonne ist da. Das bedeutet, dass Guido Hennenberg und sein Team auf dem Spargel- und Erdbeerhof endlich durchatmen können. Und dass manche schlaflose Stunde in diesem zumeist bitterkalten und trockenen Frühling der Vergangenheit angehört. Hofinhaber Guido Hennenberg drückt es positiv aus. „Das Jahr war von der ersten Stunde an eine große Herausforderung“, sagt er. Und zwar für das gesamte Team. Aber: „Das Team hat voll mitgezogen. Sonst wäre es nicht zu schaffen gewesen.“

Weil Spargel und Erdbeeren im Vergleich zu den vergangenen Jahren wegen des Wetters später reiften, gab es Tage ohne die klassische Erntearbeit für die Saisonarbeiter. Und so wurden bereits Vorbereitungen für das kommende Jahr getroffen - wie etwa das Aufstellen von Zäunen. Denn wichtig sei, so Hennenberg, die Moral und Motivation der Truppe aufrecht zu erhalten. „Dazu gehört auch, den Mitarbeitern zu erklären, warum man das tut, was man tut“, sagt Hennenberg. Etwa mehrmals am Tag die Folien drehen und die Spargeldämme komplett mit Tunneln zu versehen, damit die weißen Stangen in einem Zug durchwachsen können.


Die Wetterberichte - fünf verschiedene hat Henneberg jeden Tag verfolgt - und Gespräche mit Kollegen und Experten waren wichtige Informationsquellen für den Chef. „Natürlich habe ich mich abends oft gefragt, ob wir auch alles richtig gemacht haben“, blickt Guido Hennenberg zurück. Verständlich - denn eine falsche Entscheidung hätte dazu führen können, dass die frühe Erdbeerernte hin ist, weil die Blüten erfroren sind. „Ich habe fast täglich mit einem Bekannten in der Pfalz telefoniert, der promovierter Spargelberater ist“, sagt Hennenberg. Mit der Folge, dass die Dämme zunächst mit Tunneln versehen wurden, die dann nach einiger Zeit wieder angebaut wurden. Die Entscheidung für die Minitunnel war goldrichtig. Wir haben dafür etwa 20 000 Metallbügel aufgestellt. Das Team hat alles gegeben“, zollt Hennenberg seinen Mitarbeitern Respekt.

Der Aufwand für das „Kaisergemüse“ habe sich gelohnt. Zwar sei der Ertrag nicht so hoch wie im vergangenen Jahr. Aber die Qualität sei erstklassig. Und die, sagt Hennenberg, sei „wichtiger als die Masse“. Während draußen ein kühles Lüftchen bis kurz vor dem Bodenfrost das Wachstum des Spargels kaum erwarten lassen würde, herrschte im Boden unter den Tunneln eine gleichbleibende Temperatur von 19 Grad - ideal für das Gemüse. „Ein Mitarbeiter hat jeden Tag an jeder Stelle die Temperatur gemessen“, erklärt Hennenberg. Der Aufwand sei immens gewesen. Und er habe oft in manch müdes Gesicht geblickt.Noch problematischer sei die Situation bei den frühen Erdbeeren gewesen. „Vier Wochen lang bestand jeden Abend Frostgefahr. Das bedeutete nicht nur das ständige Abdecken der Pflanzen, das nicht zu oft erfolgen dürfe, um die Blüten keinem übermäßigen „Stress“ auszusetzen. Sondern auch, den Boden mit einem speziellen Fließ und Stroh abzudecken. Zudem wurde die Frostberegnung eingesetzt, bei der - was sich ungewöhnlich anhört - ein Eispanzer die Blüten vor dem Erfrieren schützt.

An machen Tagen konnte trotzdem gar nicht oder nur eine Stunde gepflückt werden, weshalb die Mitarbeiter anders beschäftigt werden mussten. Zum Beispiel mit dem Bau neuer Brunnen für die Bewässerung. „Die Leute sind schließlich hierhin gekommen, um zu arbeiten“, weiß Henneberg. Zudem drohten häufig Gewitter und Hagel - letzterer könne in kurzer Zeit eine ganze Ernte zunichte machen. Und auf manchen Wetterbericht habe man sich dann doch nicht verlassen können, weshalb an dem einen oder anderen Abend doch wieder umdisponiert werden musste. „Die Entscheidung, was zu tun ist, müssen wir trotz aller Beratung am Ende selbst treffen“, sagt Hennenberg. „Und sie musste richtig sein.“

Das Gröbste scheint jetzt überstanden. Die Erdbeerernte hat zwar später begonnen, aber sie verschiebe sich dadurch lediglich nach hinten. Durch das Pflanzen verschiedener Sorten, die nacheinander Früchte tragen, sei es möglich, an bis zu 80 Tagen die roten Früchte anzubieten, wenn die Sonne denn mitspiele.

Die Qualität der Erdbeeren sei ausgezeichnet, meint der Hofinhaber, der selbst ein begeisterter Esser der Erdbeeren ist. „Die Sonne wird uns nun gut tun“, meint er. Und er hofft, dass Ende kommender Woche auch die Kulturen für die Selbstpflücker geöffnet werden können.

Apropos Wetter: „Man muss Spaß an Spargel und Erdbeeren haben“, sagt Henneberg. Und bereit sein, „mit dem Wetter zusammenzuarbeiten“. Denn es gebe nun mal Jahre, in denen nicht jeder Tag ein Sonnentag ist.

VON JOSEF THESING, SENDENHORST

03 · 06 · 10



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