
Abschied nehmen hat viele Facetten
Trauerbegleiterin Kerstin Michel und die Leiterinnen der drei katholischen Kindergärten in Mettingen planen die Einrichtung einer Kindertrauergruppe. Kinder und Jugendliche sollen in einer geschützten vertrauensvollen Umgebung die Gelegenheit haben, ihre Trauer auszudrücken und Gefühle zu teilen.
Mettingen. „Nie mehr Oma-Lina-Tag?“, „Hat Opa einen Anzug an?“, Leb wohl, lieber Dachs!“ – Buchhandlungen und Büchereien sind voll mit Fachliteratur zum Thema Tod.
Gute Erfahrungen haben die Trauerbegleiterin Kerstin Michel und die Leiterinnen der drei katholischen Kindergärten in Mettingen damit gemacht. „In einfachen, auch für kleine Kinder verständlichen Worten wird über den Tod der geliebten Großeltern, aber auch von Haustieren gesprochen“, sagen sie. Sie nutzen die Bilderbücher auch gerne im Kindergartenalltag.
Abschied nehmen hat viele Facetten, haben die Fachfrauen beobachtet. Die Trennung der Eltern, ein Umzug oder die letzten Tage der zukünftigen Schulkinder im Kindergarten. Loslassen ist schwer und braucht oft professionelle Begleitung.
Seit knapp drei Jahren gehören Gesprächsstunden mit der zertifizierten Trauerbegleiterin Kerstin Michel zum Angebot des katholischen Familienzentrums MAM. Die Nachmittage, an denen die Mettingerin abwechselnd in den drei Kindergärten vor Ort ist, ergänzt sie durch Gespräche außer der Reihe, „wenn jemand in plötzlichen Notfällen schnelle und spontane Unterstützung braucht“, erklärt sie. Den Kontakt vermitteln die drei Einrichtungen.
„Unser Trauerangebot wird sehr gut angenommen“, stellen Julia Lehmeier (St. Marien), Margret Pruin (St. Agatha) und Elisabeth Schmerge (St. Martin) fest. Auch Kerstin Michel hat in den vergangenen Jahren gute Erfahrung in der Trauerbegleitung gemacht. Sie erinnert sich an „sehr emotionale Gespräche“ mit Menschen, die sich in einer Trauersituation befanden, aber auch mit solchen, die Hilfe in Anspruch nahmen, bevor der Todesfall eintraf. „Sterben und Tod dürfen kein Tabu sein“, fordert sie die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema auch für die Jüngsten.
„Die Kinder in die Vorbereitung zur Beerdigung einbeziehen, den Sarg für die Oma oder den Opa gemeinsam aussuchen, die Messe begleiten“, empfiehlt Michel, die eine Qualifizierung in der Kindertrauer-Begleitung absolviert hat. Ganz wichtig sei, sich frühzeitig Gedanken zu machen, nicht erst wenn der Todesfall bereits eingetreten oder im Falle einer schweren Krankheit absehbar ist. „Das hätte ich anders gemacht“ – diesen Satz höre sie oft, berichtet die 42-Jährige aus ihrer Arbeit mit Trauernden.
Kerstin Michel und die Kindergartenleiterinnen planen die Einrichtung einer Kindertrauergruppe. Mettinger Kinder und Jugendliche sollen in einer geschützten vertrauensvollen Umgebung die Gelegenheit haben, ihre Trauer auszudrückenund ihre Gefühle mit anderen zu teilen, erklären die Frauen. „Oft steckt die trauernde Familie zu sehr drin, Freunde weichen aus, wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen“, die Vorteile einer Gruppe liegen auf der Hand, sind sie sich einig.
Ferner weisen sie darauf hin, wie unterschiedlich Menschen ihre Trauer ausdrücken. Während das eine Kind schreit oder tobt, zieht sich das zweite zurück, sucht das dritte das Gespräch. „Jeder trauert anders“, weiß Kerstin Michel, die die Kindertrauergruppe gemeinsam mit einer Erzieherin begleiten möchte.
Schon in den kommenden Wochen soll es losgehen, versprechen die vier Frauen, die den Mettingern aber auch die Gesprächsstunden in den Kindergärten ans Herz legen. Wer mag, kann Bilderbücher und Fachliteratur zum Thema Tod ausleihen.
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