Mettingen
Diskussion um Reaktivierung
16.02.2012

Gutachten: Nordbahn auch mit zwei weiteren Haltestellen rentabel

Auch mit zwei weiteren Haltestellen sollen Personenzüge auf der Tecklenburger Nordbahn wirtschaftlich sein. Zu diesem Ergebnis kam nun ein Zusatzgutachten. Kritiker der Reaktivierung halten von den neuen Ergebnissen allerdings herzlich wenig.

Mettingen/Recke. Das Gutachterbüro Spiekermann hält die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn auch mit zusätzlichen Haltepunkten in Schlickelde und Recke-Espel für wirtschaftlich rentabel. Mehr noch: „Dadurch, dass mehr Fahrgäste erreicht werden, steigt der Wirtschaftlichkeitsfaktor“, erklärt ZVM-Mitarbeiter Markus Rümke im Gespräch mit unserer Zeitung. Das geht aus einer Zusatzuntersuchung hervor, die der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) in Auftrag gegeben hat. Aber auch die Kritiker melden sich sogleich zu Wort. Sie sprechen von „Mogelbahnhöfen“ und von geschönten Fahrgastzahlen. Damit ist die Diskussion um die Zusatzbahnhöfe der nächste Streitpunkt in der Debatte über die Reaktivierung der Nordbahn für den Personenverkehr.

Vor gut einem Jahr stellte Markus Rümke zusammen mit Mitarbeitern des Büros Spiekermann das Gutachten zu Personenzügen auf der Schienenstrecke zwischen Recke und Osnabrück im Mettinger Bauausschuss vor. Rümke erklärte damals, dass ein Haltepunkt in Schlickelde aufgrund des fehlenden Bedarfs nicht in die Planungen aufgenommen wurde. Das war auf große Skepsis gestoßen. Denn: Sollte der Zug die Buslinie S 10 von Recke nach Osnabrück ersetzen, wäre Schlickelde vom öffentlichen Personennahverkehr weitgehend abgehängt. Also rechneten die Gutachter noch einmal. Dabei bezogen sie zwei Bahnhöfe in Schlickelde im Bereich Querenbergstraße und Recke-Espel zwischen Raumühlenweg und Brenners Kamp ein. In Schlickelde wurde zudem der Bau einer Park-and-ride-Anlage berücksichtigt.

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Ergebnis: Laut Gutachten verbessert sich der Nutzen-Kosten-Indikator des Projektes von 1,12 auf 1,19. Damit sei volkswirtschaftliche Rentabilität erwiesen. Außerdem rechnen sie mit insgesamt 430 zusätzlichen Fahrgästen pro Tag. Grundlage dafür sind Leute, die vom Bus und vom Auto auf die Schiene umsteigen. Durch den Bau der Bahnhöfe ergebe sich eine Erhöhung der Investitionen um 800 000 Euro, sagen die Gutachter. Die Gesamtkosten der Reaktivierung liegen dann bei 29,4 Millionen Euro.

Mit zwei zusätzlichen Bahnhöfen lässt sich der Halbstundentakt dort allerdings nicht halten. Die Züge sollen im Wechsel ein Mal pro Stunde in Schlickelde und Espel stoppen. Das liege an der Wendezeit des Zuges in Recke, erläutert Rümke.

Die ermittelten Fahrgastzahlen für die Zusatzbahnhöfe könnten nur aufgrund von statistischen Vergleichswerten aus Ballungsräumen entstanden sein, kritisieren dagegen die Gegner der Reaktivierung. Außerdem müsste der Schulbusverkehr in den Bereichen Schlickelde und Espel komplett eingestellt werden, um auf solche Zahlen zu kommen. Bürgerinitiativen wehren sich von Beginn an gegen die Reaktivierungspläne. Vor allem, weil die Bahn die Buslinie S 10 ersetzen soll. Außerdem macht ihnen die Sicherheit an Bahnübergängen Sorgen. Ferner fürchten sie Lärmbelästigungen.

Darüber hinaus weisen die Gegner darauf hin, dass die Reaktivierung auch mit den Zusatzbahnhöfen ein gewaltiger Zuschussbetrieb mit einem jährlichen Minus von mehr als 3,5 Millionen Euro bleibe. Aus Sicht der Kritiker sind die Haltepunkte in Schlickelde und Espel auch deshalb „Mogelbahnhöfe“, weil sie nur stündlich angefahren werden.

UMFRAGE (beendet)

Ein Zusatzgutachten zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personennahverkehr bringt neue Argumente auf den Tisch. Demnach wird die Wiederbelebung der Strecke zwischen Recke und Osnabrück auch als wirtschaftlich eingestuft, wenn zwei weitere Bahnhöfe in Schlickelde und Recke-Espel eingerichtet werden. Was halten Sie davon, ist eine Reaktivierung der Nordbahn jetzt sinnvoll?
Kreis und Kommunen, die an der Bahnstrecke liegen, müssen die Reaktivierung auf jeden Fall weiter vorantreiben, damit die Region nicht abgehängt wird.
34%
Aktuell scheint die Nordbahn-Reaktivierung unrealistisch. Trotzdem sollten Kreis und Kommunen die Tür nicht ganz zuschlagen mit Blick auf die Zukunft.
3%
Das ganze Projekt ist ein einziges Geldgrab, für das der Steuerzahler gerade stehen muss. Darum sollte die Reaktivierung nicht weiter verfolgt werden.
63%
Mir ist es egal, ob die Nordbahn reaktiviert wird oder nicht.
0%
Stimmen gesamt 1202

>> Lesen Sie den Kommentar zum Thema Freitag in der IVZ.

Autor: Oliver Langemeyer
Tel: 05451 933 253

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