
Letzte Mettinger Fähre unterbrach manchen Plausch
METTINGEN/RECKE. „Autos, Fußgänger, Radfahrer und so manches Pferdegespann nutzten die alte Fähre an der Kowallbrücke auf dem Bruch“, erzählt Ignatz Rottmann und blättert dabei in seinen selbst verfassten Chroniken. „Zum Ende des Zweiten Weltkrieges sprengten die zurückweichenden Truppen zahlreiche über den Mittellandkanal führende Brücken. So auch die 1913 erbaute Kowallbrücke an der Neuenkirchener Straße/Kowallstraße im Mettinger Bruch“, heißt es in der Niederschrift. Gerade für die Landwirte und ansässigen Familien war die Verbindung zwischen Recke und Mettingen sowie Espel sehr wichtig. Am 1. August 1949 startete der Fährbetrieb am Kowall. Zuvor war die Holzfähre auf dem Bruch, an der Neuenkirchener Straße, im Einsatz gewesen. „Es rumpelte und ratterte gewaltig, wenn die Pferdefuhrwerke auf das hölzerne Gefährt auffuhren“, erinnert sich Ludger Lüttmann, der in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wasserstraße aufwuchs.
Die Espeler und Brucher Bauern setzten mit ihren Heu- und Erntewagen zu ihren Ländereinen und Moorstücken über. Viele Landarbeiter stachen Torf und nutzten es als Brennmaterial. Zum Abtransport mit Pferd und Wagen führte der Nachhauseweg über die Fähre. Gar nicht so einfach war das Anhalten auf dem Wasserfahrzeug. Durch die lauten Geräusche schrecken die Zweispänner schon mal hoch und gingen durch.
Mit Ruhe und Geduld überblickte Fährmann Karl Franke aus Mettingen die Situation. Routiniert setzte der Fachmann die durch ein Seil geführte Fähre in der Zeit vom 1. August 1949 bis 17. September 1958 über den Kanal. Die Gemeinde Recke bezahlte den Fährmann. „Die Anlieger, die auf der anderen Kanalseite Grundstücke hatten, brauchten für die Überfahrt nichts bezahlen. Fremde mussten Fahrscheine beim Fährmann erwerben“, ist in der Chronik zu lesen.
Die heute in Mettingen wohnende Gertrud Dierkes geborene Lüttmann erinnert sich noch genau an die Verwandtschaftsbesuche mit ihrer Oma Maria Lüttmann geborene Alkemeyer. Die Angehörigen der Familie Alkemeyer lebten nur wenige 100 Meter weiter auf der Recker Seite des Kanals. „Um fünf oder sechs Uhr fuhr die letzte Fähre. Da musste die Großmutter schon so manchen Plausch frühzeitig unterbrechen, schnell den letzten Schluck aus der Kaffeetasse nehmen. Und wir mussten frühzeitig aufhören, mit unseren Nichten und Neffen zu spielen, um pünktlich am Fähranleger zu sein“, erinnert sich Gertrud Dierkes. Die heute 65-Jährige lebte damals in Espel.
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