Mit 92 fit wie ein Turnschuh

"Yoga hält fit und hat einen Anti-Aging-Effekt", meint die 92-jährige Elisabeth Wolff. Sie ist selbst das beste Beispiel dafür und unterrichtet noch jede Woche Yoga.
"Yoga hält fit und hat einen Anti-Aging-Effekt", meint die 92-jährige Elisabeth Wolff. Sie ist selbst das beste Beispiel dafür und unterrichtet noch jede Woche Yoga.
(Foto: -beg-)


Münster-Wolbeck - Sie hat ein bewegtes Leben – im wahrsten Sinne des Wortes. Zum einen hat Elisabeth Wolff mit ihren annähernd 93 Jahren viel erlebt und bewegt, zum anderen hält sie sich selbst und viele Frauen in Bewegung. Elisabeth Wolff ist Yoga-Lehrerin und gibt noch immer jede Woche im Pfarrheim St. Nikolaus einen Yoga-Kurs – und das seit mittlerweile rund drei Jahrzehnten.

Der Sport war schon immer ihr Ding. Als einziges Mädchen legte sie in Burg bei Magdeburg an einem Jungen-Gymnasium ihre Abiturprüfung ab und ging zum Studium nach Berlin. Hitler war schon an der Macht und Arbeitsdienst vor dem Studium Pflicht. „Hier habe ich mein Selbstbewusstsein bekommen.“ Im Olympiajahr 1936 legte sie ihr erstes Staatsexamen als Turn- und Sportlehrerin ab und bewunderte im Olympiastadion das „Laufwunder“ Jesse Owens.


Danach ging es eher klassisch für Elisabeth Wolff weiter. An der Bildungsanstalt für Frauenberufe in Weimar ließ sie sich in Hauswirtschafts- und Ernährungslehre ausbilden, wurde Lehrerin an einer Kreisberufsschule und baute zu Beginn des Zweiten Weltkrieges eine Hauswirtschaftsschule nahe Dessau auf. Zuletzt war sie Gewerbeoberlehrerin in Köthen, ehe sie im Frühjahr 1945 heiratete und nach dem Krieg mit ihrem Mann nach Münster zog.

Die Liebe zum Sport brach sich in Münster wieder Bahn. Sie machte eine Ausbildung für das Schul-Sonderturnen, bei dem Schulanfänger gegen Haltungsschäden, Hohl- und Rundrücken anturnten. Viele Jahre war sie in mehreren Sparten Übungsleiterin beim SC Gremmendorf, unter anderem in Wirbelsäulengymnastik, Aerobic und Yoga. Aber Yoga war eine Liebe auf den zweiten Blick. „Ich fand es anfangs stinklangweilig.“ Erst Anfang der 1970er Jahre fand sie bei einem Kurs in der Friedenskirchengemeinde Geschmack an der fernöstlichen Bewegungskunst. Es folgte eine intensive Yoga-Ausbildung bei einem indischen Lehrmeister. „Mein Vorteil war, dass ich durch meine Sportlehrerausbildung geschult bin und die Übungen gut vermitteln konnte.“ Das finden offenbar auch ihre treuen Yoga-Damen aus Wolbeck, die Elisabeth Wolff, seit sie im Frühjahr ihren Führerschein abgab, zu jeder Übungsstunde abholen.

Yoga – ein Jung- und Gesundbrunnen? Man möchte es bejahen, wenn man die rüstige und selbstbewusste Seniorin erlebt. „Ich mache jeden Tag Yoga-Übungen und für den Rücken ,die fünf Tibeter’.“ Gibt es Stress, droht eine Erkältung oder anderes gesundheitliches Ungemach: Elisabeth Wolff weiß, welche Übungen ihr helfen. Sie selbst bevorzugt eine sportliche Yoga-Form. Beweglichkeit, Körperbeherrschung, richtiges Atmen, aber auch Lachen seien wesentliche Elemente ihres Unterrichts. „Atem ist Leben“, lautet eine ihrer Faustformeln. „Der Körper ist eine chemische Fabrik. Er braucht zur Entgiftung richtiges Atmen bis in den Unterleib. Was gut durchblutet und mit Sauerstoff versorgt ist, bleibt gesund.“

Eine weitere Säule ihrer robusten Konstitution ist eine ballaststoffreiche Ernährung nach Max O. Bruker mit viel Rohkost und wenig Süßem. Und wenn Elisabeth Wolff gerade keine Yoga-Übungen macht, hält sie sich mit Walking und Aerobic beim SC Gremmendorf fit.

VON BETTINA GOCZOL, HILTRUP

30 · 10 · 08



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