
Frust über Farbschmierereien
Die Farbschmierereien scheinen in Recke überhand zu nehmen: In den vergangenen Wochen ist der Ortskern regelrecht übersät worden mit Grafittis. Die Schäden gehen insgesamt in die Tausende.
Recke. Frust und Ärger greifen um sich. Ungefragt aufgebrachte Farbe, Kritzeleien und Beschriftungen an Gebäuden und Mauern gibt es inzwischen so viele und immer wieder, dass zahlreiche Bürger geradezu aufgebracht sind. In den vergangenen drei Wochen sah man so etwas immer wieder, zum Beispiel am Rathaus, auf Stromverteilerkästen, an Privatgebäuden, Geschäften oder auf Hinweisschildern. Sogar Autos haben die bisher unbekannten Täter verunstaltet.
Schon in der vergangenen Woche hatte die Polizei um Hinweise dazu gebeten. Besonders häufig vorgekommen war bei den Schmierereien die Buchstabenkombination TN 3. „Wir hatten zunächst vier Anzeigen“, erklärt Udo Potthoff, Sprecher der Kreispolizeibehörde. Nach der Veröffentlichung haben sich dann noch weitere Geschädigte gemeldet.“ Der Sachschaden sei in dieser Angelegenheit schwer zu beziffern, sagt Potthof. In den Fällen, die in der vergangenen Woche gemeldet wurden, schätzt die Polizei die Kosten für das Entfernen der Farbe jeweils auf eine dreistellige Eurosumme.
In der Nacht von Sonntag auf Montag waren die Täter erneut aktiv: in der Radweg-Unterführung an der neuen Umgehungsstraße, an der Hauptschule und im Dorf an einem Geschäft direkt an der Dionysius-Kirche.
Die Polizei ermittele intensiv. Damit Zusammenhänge erkannt werden können, sei ein Sachbearbeiter mit all diesen Fällen betraut, sagt Udo Potthoff. Die Kosten für das Entfernen der Farbe an öffentlichen Gebäuden muss die Gemeinde tragen. An Geschäften und anderen Gebäuden in Privatbesitz haben die Besitzer den Schaden.
Wie so etwas zu verhindern ist? Erich Busemeier (76) hat dazu einen konkreten Tipp: „Nachts wieder das Licht anschalten.“ Dann hätten es die Täter schwerer, nicht gesehen zu werden. Das unterstützt auch Peter Busemeier: „Solange das Licht in Recke noch brannte, kannten wir das Problem nicht.“
Christoph Wernke (50), Am Markt, klingt schon fast nach Resignation: Rund 3 500 Euro würde das Entfernen dieser Schmierereien kosten. Und wofür? Morgen hat schon der Nächste hier sein Unwesen getrieben. Dann kann ich mir das Geld auch sparen.“ Er habe eine Kamera anbringen wollen, sagt Wernke. „Aber der Verfassungsschutz hat mir davon abgeraten.“ Das sei so nicht erlaubt. Nur auf seinem eigenen Grund und Boden dürfe er solche Geräte anbringen. „Sogar am Auto meines Schwiegervaters haben sich die Schmierfinken verewigt. Ich habe schon versucht, das wegzubekommen. Aber mit normalen Mitteln ist das unmöglich.“
Auch das Haus von Mechthild Eckseler an der Hauptstraße wurde wiederholt durch Farbschmierereien beschädigt. Erst eine Woche vor Weihnachten war das Haus an der Stirnseite komplett „bemalt“ worden. „Für das Beseitigen hatte ich einen Kostenvoranschlag von rund 1000 Euro“, sagt die Geschädigte. Und jetzt stehe direkt vor der Hausnummer 35 schon wieder „TN 3“.
Gleich 17 Mal sei diese Buchstabenkombination in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtstag in Recke zu finden gewesen, sagt eine 65-jährige Reckerin, die nachgezählt hat. Nach der jüngsten Farbattacke findet sich das „TN 3“ allein 16 Mal am neuen Musikpavillon hinter dem Recker Rathaus. Hinweise zu den Sachbeschädigungen nimmt die Polizei unter 05451/591-4315 entgegen.
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