
Virtuose musikalische Tafelrunde
Carolin Stuke (Flöte) und Sonja Coors (Piano) begeisterten mit ihrer musikalischen Tafelrunde im Recker Rathaus, mit der sie dem 300. Geburtstag von König Friedrich II. gedachten.
Recke. Keine Frage: Sie hatten wirklich Stil, die berühmten Tafelrunden im Schloss Sanssouci, zu denen König Friedrich II. immer wieder einlud. Friedrich war fast mehr Künstler und Liebhaber der Wissenschaften als ein Staatsmann.
So wundert es auch nicht, dass man den 300. Geburtstag des Regenten überwiegend mit musikalischen Erinnerungen feiert. „Tafelrunde in Sanssouci“ – so war folgerichtig ein beeindruckendes Konzert überschrieben, das die Gemeinde Recke in Zusammenarbeit mit dem Recker Kulturverein am Sonntagnachmittag im Ratssaal ausrichtete.
Die beiden Solistinnen Carolin Stuke (Flöte) und Sonja Coors (Piano) kennen sich aus dem Musikunterricht beim Kulturverein Recke. So entwickelte sich der Gedanke an ein Konzert des „Duo Couleur“, wie sich die beiden nennen. Neben einem beherzten Griff in das große Repertoire des Königs hatte – ähnlich wie im „Dinner for one“ – jeder der imaginären Gäste der Tafelrunde ein eigenes Werk mitgebracht.
So entwickelte das „Duo Couleur“ einen faszinierenden Einblick in den Charakter der damaligen Tafelrunden. Im Mittelpunkt stand dabei das von Friedrich dem Großen favorisierte Instrument, die Querflöte.
In den Affettuosi aus den Sonaten in A- und in Es-Dur aus der Hand des Königs waren fein abgestufte Echo-Elemente zu vernehmen, die ein erstes strahlendes Licht auf das spielerische Talent der Interpretin Carolin Stuke warfen.
Ihr Spiel bestach durchweg durch eine relativ rauscharme Tongebung, durch die ihr sehr feinfühliges, warmes Melodiespiel zusätzlich gefördert wurde. Besonders schön waren die ganz zarten, weich abphrasierten Passagen geglückt, wie sie Friedrich der Große beispielsweise am Schluss des 1. Satzes der g-moll-Sonate einfordert. Selbstverständlich kam die Querflöte auch virtuos aufspielend daher, etwa im Allegro aus der Sonate in G-Dur des „Tafelrunden-Gastes“ Johann Gottlieb Graun, der damals als Konzertmeister bei Hofe fungierte.
Auch durfte ein Beitrag des Musiklehrers des Königs, Johann Joachim Quantz, nicht fehlen. Und wie Lehrer so sind, musste in den Beitrag gleich eine besondere Schwierigkeit eingebaut werden: Im Adagio der e-moll-Sonate wechselten Achtel, Sechzehntel und die ungeliebten Triolen ständig einander ab. Für das „Duo Couleur“ stellte diese Schwierigkeit eher ein gefundenes Fressen dar, denn gerade hier brillierten die beiden durch verblüffende Parallelität im Spiel.
Den Schlusspunkt setzte eine Sonate, die Friedrichs Schwester Anna Amalia ihrem Bruder gewidmet hat. Die Tonart der Sonate liegt auf der Hand: F-Dur, F wie Friedrich.
Was damals in Sanssouci Stil hatte, könnte heutzutage im Berliner Regierungsviertel den gleichen Effekt haben. Vielleicht schreibt mal jemand der Bundeskanzlerin eine Sonate in A, A wie Angela. Fragt sich nur, ob es dann ein Werk in Dur oder in Moll sein wird.
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