
Silvester am Strand
Weihnachtseinkäufe in Ecuador können höchst spannend sein, wie ich beim Shoppen erfahren habe. Auch wenn ich über Skype mit meiner Familie ein wenig Weihnachten feiern kann, ist es schon komisch zum Fest so weit weg zu sein. Zum Glück verlief meine Silvesterfeier nach Wunsch.
Hallo Ibbenbüren!
Frohes Neues Jahr,
so habe ich die letzte Zeit in Ecuador verbracht:
23. Dezember: Wir machen uns auf den Weg in den Multiplaza. Die Tore sind weit geöffnet. In der unteren Etage steht der Weihnachtsschlitten schon vor dem Tannenbaum und wir machen ein paar Fotos mit den Rehen. Menschen drängen sich durch die engen Gänge der Spielzeugläden. Mit vollen Einkaufswagen bestückt machen sie sich dann wieder auf den Weg nach Hause. Morgen ist Samstag, morgen ist Weihachten.
Ich habe in rein deutscher Zeitmanier meine Geschenke schon eine Woche vorher bereit gehabt.
Mein Vater kriegt eine Art Kaffeemaschine, meine Mutter einen schönen Kugelschreiber, meine jüngere Schwester ein Kuscheltier, die ältere eine Uhr und Schokolade und unsere Hausfrau auch eine Kaffeemaschine, eine Tasse und Kaffepulver.
Heute Abend findet noch eine Stufenfeier in dem Haus einer Schulkameradin statt.
Ich habe dafür wieder einmal zwanzig Dollar bezahlt. “Wieder einmal” weil ich schon einmal ein Kurstreffen mit zwanzig Dollar finanziert habe. Dafür durfte ich mich an dem Abend dann durch alle möglichen Fleischsorten futtern. Von Pferd bis zu Kuhdarm, ich bin ja hier um etwas Neues zu erleben.
Doch dieses Stufentreffenessen viel leider dann doch geldbedingt aus. Wir trafen uns zwar alle aber machten nur eine kleine Tanzparty mit Pizza daraus. Nicht alle hatten rechtzeitig bezahlt. Trotzdem eine schöne Nacht. Ich habe ein unglaublich schönes Hemd von einem Stufenkameraden geschenkt bekommen.
Am vierundzwanzigsten geriet ich dann auch noch mit meiner Familie in die Masse. Das Essen für den Abend musste noch vorbereitet, die Geschenke für die Cousinen gekauft und ein schönes Kleid für meine jüngere Gastschwester angeschafft werden.
Die Geschäfte haben zum Glück bis acht Uhr abends noch auf.
Wir sind schon um drei Uhr vom Einkauf zurück. Ich nutze die Gelegenheit mal in die Wohnzimmer meiner Familie in Deutschland zu gucken. Per Skype bekomme ich gleich zwei Bescherungen mit. Es ist als wäre ich selber dabei. Als dann aber aufgelegt wird, wird mir wieder klar, dass ich immer noch in Ecuador bin. Ein komisches Gefühl macht sich in meiner Magengegend breit. Mein erstes Mal Weihnachten ohne meine deutsche Familie. Es ist komisch. So ungewohnt.
Um mir die Zeit bis zum Weihnachtsessen ein wenig zu vertreiben treffe ich noch Zoe und Margreth, zwei andere Austauschschülerinnen, und wir gucken zusammen ein paar Filme.
Die Kirche am Abend bleibt aus. Das Essen bleibt kleiner als gedacht. Die Verwandten bleiben nur bis um halb zwölf bis das Fotoshooting und die Geschenkevergabe ein bisschen kühl über die Bühne gebracht wurde. Danach geht‘s noch zu der Familie von meinem Gastvater die leider schon größtenteils im Bett. Das war Weihnachten in Ecuador. Irgendwie anders halt.
Ich kriege ein paar Hemden in verschiedenen Größen von S-L geschenkt. Ein Parfüm und Deo und zwanzig Dollar von meiner Gastoma.
Die Woche darauf bete ich förmlich dafür, dass ich Silvester am Strand verbringen kann. Ich habe schon viel davon gehört. Viele gute Dinge. Meine Gastfamilie feiert nur im kleinen Kreise bei den Großeltern zuhause. Mein Counsellor erhörte wohl meine Gebete und lud mich prompt für eine Woche in sein Apartment nach Atacames ein. Seine Kinder Pepe, Andrea und Paulina kamen für die Neujahresfeier auch aus Quito vorbei. Sie studieren alle Medizin und haben sonst nur wenig Zeit. Pepe kommt als Erster an und sagt ich könne ihn wohl für eine Woche lang begleiten. Ab Dienstag sind wir dann jeden Abend in Atacames am Strand und feiern ein bisschen. Am 31. Dezember fahren wir dann nach Tonsupa zu Verwandten und essen noch größer als ich am Weihnachtsabend mit meiner Gastfamilie.
Hier in Ecuador ist es zu dem Raketen abschießen noch Tradition, das alte Jahr zu verbrennen. Man macht Figuren von Dingen oder Personen die im letzten Jahr Unglück gebracht haben und verbrennt sie dann genau um 24 Uhr. Wir fackeln unsere Puppe am Strand mit vielen anderen Figuren auf einem großen Scheiterhaufen ab. Begleitet wird das Ganze noch von großen Feuerwerken die schon um zehn Uhr beginnen und erst gegen 2 Uhr Nachts letztlich ihr Ende finden.
Danach geht es noch an den Strand in Atacames und wir feiern bis die Sonne wieder aufgeht.
Das war mein Dezember.
Grüße von eurem Ecuadorianischen Freund,
Otis
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